Mordprozess: Freundinnen von Julia Kührer im Zeugenstand

Michael K. muss sich wegen Mordes an der 16-Jährigen vor Gericht verantworten. In der zweiten Verhandlungswoche werden weitere Zeugen gehört.

Korneuburg – Im Prozess um den Tod von Julia Kührer sind am Dienstag zum Auftakt der zweiten Verhandlungswoche weitere Zeugen befragt worden. Seit vergangenem Dienstag (10. September) muss sich Michael K. (51) wegen Mordes verantworten. Die Anklage wirft dem Mann vor, die 16-Jährige getötet zu haben. Die Leiche der Schülerin, die am 27. Juni 2006 spurlos aus ihrer Heimatgemeinde Pulkau (Bezirk Hollabrunn) in Niederösterreich verschwunden war, wurde fünf Jahre später in einem Erdkeller auf dem Grundstück des Angeklagten im nahen Dietmannsdorf gefunden. Er wies bisher jeden Zusammenhang von sich und blieb bei seiner Version der Geschichte.

Aus den Aussagen mehrerer Freundinnen ging hervor, dass Julia Kührer keine auffälligen Stimmungsschwankungen gehabt hatte, sondern - mit Liebeskummer, Streit mit den Eltern - Hochs und Tiefs wie wohl alle 16-Jährigen, meinte eine 24-Jährige im Rückblick auf ihre eigene Jugend. Die Studentin war einmal mit Julia Kührer in der Videothek des Angeklagten in Pulkau gewesen, weil diese eine DVD ihres Freundes zurückgeben, aber nicht allein hingehen wollte. K. sei auf einer Leiter gestanden und habe Staub gesaugt - und dann mit den Worten „seid‘s schmutzig? Soll ich euch sauber machen?“ den Staubsauger auf ihre Brüste gerichtet, also absichtlich und nicht, wie von K. dargestellt, zufällig.

Mutter des Ex-Freundes sagte aus

„Gras“ war ein Thema, sagten die meisten Zeuginnen, für manche nur vom Hörensagen, „Crystal Meth“ aber zum damaligen Zeitpunkt niemandem ein Begriff (laut Anklage soll Julia die gefährliche Designerdroge vom Angeklagten bezogen haben, Anm.). Richter Helmut Neumar merkte an, dass die Hauptangst aller Jugendlichen, die damals zum Verschwinden der Schülerin vernommen wurden, war, „dass das mit dem Marihuana auffliegt.“ Jene heute 31-Jährige, die Julias Ex-Freund mit Marihuana versorgt hatte, gab an, Julia nicht näher gekannt zu haben.

Der Ex-Freund der 16-Jährigen, der zu Prozessbeginn krankheitshalber entschuldigt war, soll dem Vernehmen nach am Donnerstag erscheinen. Seine Mutter sagte am Dienstag aus, von „Reibereien“ zwischen dem Mädchen, das öfter bei ihnen am Hof war, und ihrem Sohn nichts bemerkt zu haben. Dieser habe ihr auch vom Beziehungsende nach einem „schwierigen“ Wochenende erzählt, weshalb er tags darauf auch nicht in die Schule gehen wollte und daheim geblieben war. An jenem Abend habe sie ihn dann mit Freunden und einem anderen Mädchen im Garten gesehen. Ihr Sohn habe ihr weiters vom Anruf von Julias Mutter berichtet, die am Abend des 27. Juni auf der Suche nach ihrer Tochter gewesen war. (APA)

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