Je dichter, desto mehr Geld: Grund für 117 Euro pro m²

Bodenfonds kaufte rund 1000 Grundstücke für sozialen Wohnbau. Landesrat Tratter sieht in seit Langem gewidmetem Bauland das Problem.

Von Anita Heubacher

Fritzens, Innsbruck –Um 117 Euro pro m² konnten Häuslbauer in Fritzens einen Grund erwerben. 22 Bauplätze schufen die Gemeinde und der Bodenfonds des Landes. Durchschnittlich sind die Parzellen 400 m² groß. Das typische Häuschen im Grünen mit Garten ringsum ist nicht das, was dem Land vorschwebt. „Grund ist rar, je dichter gebaut wird, desto besser wird gefördert“, erklärte der neue Wohnbaulandesrat Johannes Tratter gestern in Fritzens.

Das Land hat an einigen Schrauben bei der Wohnbauförderung gedreht. Die Rückzahlungsraten wurden abgeschwächt. Die Mieten machen aufgrund der Rückzahlungskonditionen nach zehn Jahren einen exorbitanten Sprung. Den federt das Land ab. Dieses Mal ist die vierte Vertragsgeneration aus dem Jahr 1996 dran. Die Änderungen gelten ab 1. Oktober.

Wohnen in Tirol in Zahlen

Bodenfonds: Der Tiroler Bodenfonds verfügt in zahlreichen Gemeinden über Grundstücke für den Wohnbau oder für Gewerbe- und Industriebauten. Seit 1995 wurden 847 Wohn- und 75 Gewerbeprojekte abgewickelt. Die jeweilige Gemeinde vergibt die Wohnungen nach sozialen oder anderen Kriterien.

Je dichter, desto mehr Geld: Bei einem Grundverbrauch unter 200 m² pro Wohneinheit wurde die Förderung von 900 auf 980 Euro erhöht. Verbraucht man zwischen 350 und 400 m² gibt es 580 Euro. Das sind um 40 Euro mehr als bisher.

Beispiel: Kauft ein Paar mit zwei Kindern eine Eigentumswohnung mit 110 m², erhält es einen Wohnbauförderungskredit von 107.800 statt bisher 99.000 Euro.

Wohnbeihilfe: Für eine Wohnung mit 55 m² und einem Bankkredit von 55.000 Euro wird man jährlich mit 687 Euro oder monatlich 57 Euro unterstützt. Auch hier wurde nachgebessert.

Die Häuslbauer zahlten ihre Kredite in den letzten Jahren rascher zurück. Die Angst vor der Inflation hat sie angetrieben. Das bescherte dem Land höhere Rückflüsse als ursprünglich kalkuliert. Insgesamt gibt es 200.000 Förderungsnehmer.

Tratter wollte in Fritzens den Beweis antreten, „dass Wohnen in Tirol leistbar ist“. Über den Bodenfonds seien seit 1995 rund 1000 Grundstücke angekauft worden. „Mit Ausnahme von Innsbruck sind Grundstücke in vielen Bezirken leistbar.“ Reutte, Landeck, Imst, Osttirol aber auch Teile des Wipptales hätten mit Abwanderung zu kämpfen. „Da ist der Preis des Baulandes nicht das Problem, sondern vielmehr die Erreichbarkeit.“ Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sei daher besonders wichtig.

TT-ePaper gratis lesen und iPhone 11 Pro gewinnen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

Jetzt mitmachen
TT ePaperTT ePaper

Tratter verweist darauf, dass pro Jahr in Tirol 1600 geförderte Wohnungen laut Studien gebraucht würden, gebaut würden aber 2300. Auf die viel geforderte Baulandmobilisierung angesprochen, meint Tratter: „Das neu gewidmete Bauland wird rasch bebaut. Das Problem sind die Altlasten.“ In den 70er-Jahren wurde per Gesetz aus Bauerwartungsland Bauland. Zu viel gewidmetes, zum Teil bis heute brachliegendes Bauland war die Folge. Eine Umwidmung sei nicht möglich, erklärt Tratter. „Das Land müsste den Eigentümer entschädigen, der Bauland verlieren würde.“

Von einer Kontrolle der Geförderten hält Tratter nichts. Das viel zitierte Beispiel des armen Studenten, der Beihilfen in Anspruch genommen hat und aus dem der reiche Arzt in der geförderten Wohnung geworden ist, regt Tratter wenig auf. „Das trifft vielleicht auf drei bis vier Prozent der Förderungsnehmer zu“, meint er. Die unterschiedlichen Einkommenskurven seien bei der Rückzahlung berücksichtigt worden. Viel wichtiger sei es, „darauf zu achten, dass sich die Förderungsnehmer das Wohnen auch leisten können, wenn sie vorübergehend arbeitslos sind“. Das sei die weitaus größere Gruppe.


Kommentieren


Schlagworte