Wilderei in Annaberg: Hirsche wurden vom Auto aus geschossen

Jener Wilderer, der sich nach einem Amoklauf in einem Bauernhof bei Melk verschanzt hat, soll in den vergangenen Jahren illegal mehrere Hirsche geschossen haben.

(Symbolfoto)
© APA

Annaberg/Melk - Seit Jahren wird im Bezirks Lilienfeld Rotwild gewildert, das Landeskriminalamt Niederösterreich richtete sogar eine Sonderkommission ein. „Die toten Hirsche lagen immer in Straßennähe, oft auf einer Wiese“, berichtete Bezirksjägermeister Martin Schacherl im APA-Gespräch. Er selbst weiß von sechs gewilderten Tieren innerhalb von sechs Jahren in seinem eigenen Hegebereich, weitere Vorfälle trugen sich in Nachbarbezirken und in der Steiermark zu.

„Nach mehreren Jahren Wilderei wurde in der Nacht zum 17. September 2013 ein Verdächtiger von Polizisten in einem Wald bei Annaberg angehalten“, schilderte NÖ Polizeisprecher Johann Baumschlager den Auslöser einer Bluttat und mit nachfolgender Geiselnahme, die in der Nacht auf Dienstag das Land erschütterte. „Wir sind alle schwer geschockt“, sagte Schacherl. „Diese Vorkommnisse sind wie aus heiterem Himmel gekommen.“ Denn in Lilienfeld hätten der oder die Wilderer zuletzt eine längere „Pause“ eingelegt. „Im Vorjahr gab es nichts in unserem Bezirk.“ Es sei vermutet worden, dass der erhöhte Druck durch die Polizeifahndung und die erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung den oder die Schützen vertrieben haben könnten.

Der oder die Wilderer nahmen immer nur die Häupter der erlegten Hirsche mit. Die Kadaver ließen sie an Ort und Stelle liegen, so Schacherl. Meist dürften die Tiere vom Auto aus geschossen worden sein, meinte der Bezirksjägermeister und Hüttenwirt. „Mir ist auch aufgefallen, dass der Täter sich immer Fluchtwege auf beiden Seiten offengehalten hat. Bei Annaberg kommt er beispielsweise Richtung Mariazell oder Richtung Lilienfeld davon.“

Manche glaubten an Rachenakte an der Jägerschaft, andere hielten eher die Lust am Töten für die Ursache.
Bezirksjägermeister Martin Schacherl

Das Täterprofil habe teilweise mit jenem, das weiteren Fällen in anderen Bezirken zugrunde liegt, übereingestimmt, meinte Schacherl. Über das Motiv habe unter den betroffenen Jägern, Jagdaufsehern und Hegemeistern bis zuletzt Rätselraten geherrscht. „Manche glaubten an Rachenakte an der Jägerschaft, andere hielten eher die Lust am Töten für die Ursache“, so der Bezirksjägermeister. (APA)

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Schlagworte