Nervenkrieg zu Ende: Täter tot in Versteck gefunden

Drei tote Polizisten, ein toter Sanitäter, Hunderte Beamte und Panzer des Bundesheeres im Einsatz: Ein mutmaßlicher Wilderer hielt nach einem Amoklauf am Dienstag ganz Österreich in Atem. Nach einer stundenlangen Durchsuchung seines Bauernhofes wurde in der Nacht seine Leiche entdeckt.

Der Bauernhof in Großpriel, in dem sich der Täter verschanzt hatte.
© APA/ROBERT JAEGER

Großpriel, Annaberg - Nach einem stundenlangen Nervenkrieg ist in der Nacht auf Mittwoch in Großpriel in Niederösterreich die Leiche des gesuchten Todesschützen Alois H. entdeckt worden. Der als Wilderer verdächtigte 55-Jährige hatte am Dienstag drei Polizisten und einen Sanitäter des Roten Kreuzes getötet.

In Versteck Feuer gelegt

Nachdem sich der Mann auf seinem Bauernhof verschanzt hatte, erfolgte ab 18.20 Uhr der Zugriff der Einsatzkräfte. Dieser zog sich rund sechs Stunden hin, bis ein Geheimversteck entdeckt wurde, in dem eine verbrannte Leiche lag. Bei dieser ist laut Polizei davon auszugehen, dass es sich um den Täter handelt. Durch begleitende Ermittlungsarbeit während der laufenden Durchsuchung des weitläufigen Anwesens habe man Kenntnis von dem Versteck erhalten. In einem Gang ließ sich eine Wand wegdrücken wodurch man in den Geheimraum gelangte, so die Polizei.

„Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt“, so Polizeisprecher Roland Scherscher bei einer Pressekonferenz in Melk. Der zuströmende Sauerstoff hatte die Flammen zusätzlich angefacht. Als das Feuer gelöscht wurde „konnte eine verbrannte männliche Leiche entdeckt werden“, sagte Scherscher.

„Gesicherte Durchsuchung“

Zuvor waren drei Panzerfahrzeuge des Bundesheeres zum Bauernhof vorgefahren. Die Cobra führe eine „gesicherte Durchsuchung“ des weitverzweigten und verwinkelten Anwesens durch, erklärte die Polizei am Abend. Die Panzerfahrzeuge wurden eingesetzt, weil sie den besten Schutz bei der Annäherung boten, betonten die Einsatzkräfte. Es handelte sich um eine sicherheitspolizeiliche Assistenzleistung, am Polizeieinsatz selbst seien keine Soldaten beteiligt gewesen. Der 55-jährige Mann hatte im Lauf des Tages immer wieder Schüsse aus dem Gehöft heraus abgefeuert. Das letzte Lebenszeichen von Alois H. hat es gegen 17.30 Uhr gegeben, als ein einzelner Schuss aus dem Bauernhof abgegeben worden sei.

Alois H. hat in der Nacht auf den 17. September 2013 in Annaberg (NÖ) drei Polizeibeamte und einen Sanitäter getötet.
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Die stark verbrannte Leiche befindet sich laut Polizei in einem „entsprechenden Zustand“. Obwohl es kaum Zweifel gibt, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, wurde dadurch die Feststellung der Identität und der Todesursache erschwert. „Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnte“, sagte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich.

Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, es könne davon ausgegangen werden, dass sich nichts Gefährliches mehr darin befindet. Die Durchsuchung des Anwesens war äußerst kompliziert und risikoreich. Der Täter hätte „hinter jeder Ecke lauern können“.

55 Jahre, alleinstehend und Waffennarr

Bei dem 55-Jährigen handelte es sich um einen alleinlebenden Mann, einen Jäger und Transportunternehmer. Er besaß mehrere Waffen. Er soll seit längerem als Wilderer im Bezirk Lilienfeld sein Unwesen getrieben haben. Warum der Jäger heimlich gewildert habe, erklärte ein Sprecher so: „Weil er in seinem eigenen Revier keine Hirsche hat.“ Zuvor habe gegen den Transportunternehmer aber kein Verdacht bestanden, die Ermittlungen liefen gegen unbekannte Täter.

Seinen Ausgang nahm das Blutbad in der Nähe von Annaberg: Die Polizei führte eine nächtliche Überwachungsaktion gegen Wilderer durch. Straßensperren wurden errichtet, und zwei Cobra-Beamte versuchten, den Geländewagen eines Verdächtigen zu stoppen. Die Sondereinheit war nach den jahrelangen schweren Wildereidelikten in der Gegend in die Fahndung nach illegalen Schützen eingebunden. Der Wagen durchbrach bei Annaberg bei der L101 eine Straßensperre, der Lenker versuchte zu flüchten.

Das Auto der Cobra-Beamten mit den Einschusslöchern.
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„Dann hat er plötzlich und unvermittelt das Feuer eröffnet“, sagte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich. Dabei wurde ein Polizist getroffen, er verstarb später im Landeskrankenhaus St. Pölten. Nahe eines Sägewerks schoss der Mann aus dem Hinterhalt auf eine zu Hilfe eilende Rettung, ein Sanitäter und ein Polizist wurden getroffen, der Rotkreuz-Mitarbeiter starb.

Der Schütze flüchtete zu Fuß und erschoss bei einer Straßensperre einen weiteren Polizisten. Er kaperte ein Polizeiauto mit einem Beamten als Geisel und raste zu seinem Wohnhaus in Großpriel nahe Melk. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften umstellte seit Dienstagfrüh den auf einer Anhöhe gelegenen Vierkanthof, die Umgebung wurde großräumig abgeriegelt. Am Nachmittag fand man die Geisel tot nahe des Wohnhauses in einer Scheune.

Opfer allesamt Familienväter

Die Opfer waren allesamt Familienväter: Auf Seite der Polizei starben ein 38-jähriger Revierinspektor, der für die Cobra im Einsatz stand, sowie zwei Polizisten (44 und 51 Jahre alt), die als Gruppeninspektoren im Bezirk Scheibbs tätig waren. Rotkreuz-Rettungssanitäter Johann Dorfwirth, 70 Jahre alt und 32 Jahre im Dienst, verlor ebenfalls sein Leben.

Mehrere Wildereidelikte

Die Polizei ermittelt seit 2008 in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark. Im März 2011 war ein Wilderer von einem Jäger in Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt worden. Der Verdächtige attackierte den Waidmann und flüchtete zu Fuß, sein Auto wurde sichergestellt. Da der Mann gestohlene Kennzeichen verwendet hatte, blieb er unerkannt. Ob es sich bei dem 55-Jährigen nun um den seit Jahren gesuchten Wilderer handelt, ist noch unklar. (TT.com, APA)


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