Üppige Gästekarten lösen Begehrlichkeiten aus

Karten für touristische Gratisleistungen boomen. TVB-Obmann Falkner plädiert für „maßvolle Pakete“. Sein Kollege Parth lehnt Kürzungen ab.

Von Helmut Wenzel

Landeck –„Hallo, ich hab’ ’ne Gästekarte und will hier rein.“ Manche Urlauber sollen heuer recht forsch ihren Anspruch auf einen Gratiseintritt reklamiert haben. „Wenn wir dann erklären müssen, dass bei uns nur die Gästekarte des TVB Tirol West gilt, werden wir manchmal angeknurrt, wir wären unverschämt“, schildern die Kassiererinnen des Museumsvereins.

Der Geschäftsführer des Vereins Naturpark Kaunergrat, Ernst Partl, hat seine Zweifel, ob Urlauber mit Gästekarte das hochwertige Angebot gratis konsumieren sollen. „Der Gast hinterfragt die Wertigkeiten normalerweise nicht. Manche wundern sich allerdings, dass sie eine Führung im Naturparkhaus gratis bekommen haben.“ Partl ortet rückläufige Einnahmen wegen der pauschalen Abgeltung der Eintritte durch den TVB. Andererseits müsse man aber auch die Umweltrentabilität der „Gratisgäste“ sehen, ist Partl überzeugt.

Christian Rudig vom Bezirksmuseumsverein Landeck sieht derzeit keine Nachteile mit den Gratiseintritten. „Wir registrieren die Zahl der Besucher mit Gästekarte und steigen nicht ganz schlecht aus – auch weil es die bisherige Burgencard nicht mehr gibt.“ Der TVB Tirol West hatte dem Verein vor ca. zwei Jahren 50.000 Euro bezahlt, womit die Eintritte der Urlauber mit Quartier in der Ferienregion Landeck und Umgebung bis 2018 abgedeckt sein sollen.

In Ischgl verteidigt TVB-Obmann Alfons Parth das Paket der „Silvretta Card all inclusive“. Die Gäste können damit öffentliche Verkehrsmittel, Bergbahnen, Freizeiteinrichtungen, Museen und vieles mehr gratis benutzen. „Die Karte ist ein Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung“, erläutert Parth, „eine Kürzung der Leistungen würde bei den Gästen nicht gut ankommen.“ Die Karte diene den Vermietern auch als Argument, dem Gast eine Preiserhöhung zu erklären.

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Beim TVB Tiroler Oberland sind laut Obmann Armin Falkner „eher zu viele Leistungen in der Karte verpackt“. Es könne nicht alles gratis sein, sagt der Cheftouristiker: „Wir werden uns überlegen, die Pakete maßvoll zu gestalten.“

Das Markenting-Instrument Gästekarte sei unverzichtbar geworden, ist Tourismussprecherin Agnes Pregenzer überzeugt. Eine „Quersubventionierung“ der Karten aus dem Wintertourismus sei zumindest überlegenswert.


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