Weitere Finanzhilfen? Geldgeber warnen vor Risiken der Zypern-Sanierung

Der Troika-Bericht sieht Zypern aktuell „auf Kurs“, aber das Land sei noch nicht über den Berg. Der IWF sprach aber von „signifikanten“ Risiken, die einen zusätzlichen Finanzbedarf auslösen könnten.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades könnte bald ohne Koalitionspartner dastehen.
© Reuters

Frankfurt - Die internationalen Geldgeber haben vor Risiken für Zyperns Rettungsprogramm gewarnt, die am Ende weitere Hilfen nötig machen könnten. Die Gefahren, dass der Mittelmeerstaat die Vorgaben am Ende doch nicht erfüllen könne, seien erheblich, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Troika von EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Konjunkturentwicklung

Aktuell liege das Land „auf Kurs“, erklärten die IWF-Experten zudem. Die kurzfristigen Vorgaben würden erfüllt. Der IWF sprach aber von „signifikanten“ Risiken, die einen zusätzlichen Finanzbedarf auslösen könnten.

Zu den Risiken zählte der Fonds, der auch andere Länder wie Griechenland zusammen mit der EU aufgefangen hat, eine womöglich unter den Planungen liegende Konjunkturentwicklung in Zypern. In diesem Jahr dürfte die Wirtschaft der Mittelmeer-Insel um rund neun Prozent und im nächsten Jahr um rund vier Prozent schrumpfen. Für 2015 wird dann aber mit einer Rückkehr in die Wachstumszone gerechnet.

Es bestehe insbesondere das Risiko, dass die Staatsschulden längerfristig aus dem Ruder liefen und nicht mehr tragfähig seien. In diesem Falle könnte ein neuer Finanzbedarf entstehen. Zyperns Präsident Nikos Anastasiades kündigte unterdessen an, das Land wolle seine Kapitalverkehrskontrollen, mit denen es auf dem Höhepunkt der Krise massive Geldabflüsse von den Banken begrenzt hatte, bis Jänner auslaufen lassen.

Radikale Sanierung

Die Geldgeber hatten dem Land Mitte Mai ein Hilfsprogramm von rund zehn Mrd. Euro zugesagt. Der IWF trägt davon eine Mrd. Euro. Er hat gerade erst grünes Licht für die Auszahlung einer zweiten Tranche in Höhe von 84,7 Mio. Euro gegeben.

Zypern wird unter anderem eine radikale Sanierung des überdimensionierten Finanzsektors abverlangt. Dabei wurden neben den Eigentümern erstmals in der Euro-Schuldenkrise auch Anleger mit großen Bank-Guthaben drastisch zur Kasse gebeten.

Zypern hat zwar einige Beschränkungen des Kapitalverkehrs bereits gelockert. Es sind aber noch immer etliche in Kraft. So können pro Tag nicht mehr als 300 Euro von Bank-Konten abgezogen werden, große Transaktionen bedürfen einer Genehmigung und Schecks können nicht in Bargeld eingelöst werden. „Die Kontrollen werden aufgehoben“, sagte Anastasiades nun der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Sie werden im Rahmen eins Zeitrahmens bis Ende Jänner 2014 ausgelaufen sein.“ Der IWF unterstützt nach eigenen Angaben diese Lockerung. (APA/Reuters)


Kommentieren


Schlagworte