„Es wäre dumm, wenn man nicht wählen geht!“

Gewählt wird nächsten Sonntag schon ab 16. Die Jugendlichen sind sich dieser Verantwortung bewusst, ergab eine Recherche der TT.

Von Theresa Mair

Innsbruck – „Ich hab’ den Sommer damit verbracht, ganz intensiv die Parteien zu studieren“, erzählt Lorenz, Schüler der siebten Klasse des Bundesoberstufenrealgymnasiums (BORG) in der Fallmerayerstraße in Innsbruck. Ein ungewöhnliches Ferienprogramm für einen Jugendlichen, doch Lorenz findet es toll, dass er bei den Nationalratswahlen am 29. September zum ersten Mal seine Stimme abgeben darf – er sehe darin eine „große Verantwortung“, betonte er.

Die 7c-Klasse des BORG – Geschichtslehrerin Bettina Riedmann hält ihre Schülerinnen und Schüler für politisch sehr interessiert – hat für ihre Kollegen in Eigeninitiative eine Wahlveranstaltung der besonderen Art organisiert: Am vergangenen Dienstag luden sie Tiroler Kandidaten für die Nationalratswahl in die Schule ein. Selbstbewusst stellte Lorenz gleich zu Beginn klar, dass die Schüler wüssten, dass sie als Jungwähler von den Parteien sehr begehrt seien.

Dann kamen auch schon die Fragen aus dem Publikum. Politikverdrossenheit? Mangelnde Information der Jugendlichen? Fehlanzeige. Die Schüler wussten ganz genau, wo sie ins Detail gehen wollten. Immer wieder kamen dabei die Bereiche Bildung und Integration zur Sprache: Können in der Ganztagsschule alle Kinder gleich gefördert werden? Woher will die Politik das Geld für eine Bildungsreform nehmen? Wird bei der Zentralmatura nachgebessert? Soll Homosexualität im Sexualkundeunterricht behandelt werden?

Aufmerksam verfolgten die Schüler der siebten Klassen, wie Lorenz und seine Co-Moderatorin Lena die Politiker auf dem Podium – Georg Keuschnigg (ÖVP), Viktoria Weber (SPÖ), Georg Willi (Grüne) und Winfried Vescoli (FPÖ) – mit den Fragen konfrontierten und nachhakten.

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Einmal folgten die Jungen gebannt den Ausführungen der Kandidaten, dann wieder rumorte es im Saal.

Ein Schüler brachte den umstrittenen FPÖ-Wahlkampf ins Spiel: „Ich komme aus Belgien. Was will mir die FPÖ mit dem ,Nächstenliebe für Österreicher-Plakat‘ sagen?“ FPÖ-Mann Vescoli überraschte, indem er häufig betonte, dass seine persönlichen Ansichten in Asylfragen nicht immer mit der offiziellen Parteilinie übereinstimmen würden. Willi erntete tosenden Applaus nach seinem Appell, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Lenas Fazit nach der gut eineinhalbstündigen Diskussion: „Ich wusste schon vorher ungefähr, wen ich wählen werde, aber jetzt bin ich mir ganz sicher, welche Partei meine Stimme bekommt.“

Nicht alle potenziellen Jungwähler – rund 350.000 Österreicher im Alter von 16 bis 21 dürfen bei den diesjährigen Nationalratswahlen zum ersten Mal wählen – haben die Möglichkeit, sich direkt mit Kandidaten auszutauschen.

Die Tiroler Tageszeitung hat mit Schülern des BORG und der Berufsschule für Büro und Handel gesprochen und herausgefunden, welche Bedeutung Wahlen für sie haben und wie sie sich darauf vorbereiten. „Bei den Wahlen können wir entscheiden, was aus unserem Land wird. Da wäre es doch dumm, nicht zu wählen“, meint etwa die 16-jährige Doris. Nicole sieht den Urnengang als ihre „Chance, etwas zu verändern“. Michaela „möchte mitbestimmen“. Wenn sie auf ihr Wahlrecht verzichten würde, „dann dürfte ich mich nicht über das Ergebnis beschweren“, so die 16-Jährige.

Die meisten Schüler machen sich im Internet schlau. Miriam schaut sich die Sprüche auf den Wahlplakaten an und sucht dann im sozialen Netzwerk Facebook nach Information. Auch die Konfrontationen der Spitzenkandidaten im TV stoßen auf breites Interesse. Anna aus Kufstein findet aber, dass die Medien „fast schon zu viel machen“ und sie dadurch verwirrt werde.

Vor allem vor Wahlen wird auch zuhause über Politik gesprochen. Knapp die Hälfte der Befragten fände es gut, wenn es in der Schule mehr politische Bildung gäbe. Neben Bildung interessieren sich die Jungen auch für Umweltthemen. Miriam und Anna wünschen sich, dass sich die neue Regierung für leistbares Wohnen einsetzt. Auch den Jungen ist die Sicherung der Pensionen ein wichtiges Anliegen.


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