Das ungleiche Kanzlerduell

Von Christian Jentsch...

Von Christian Jentsch

Berlin – Deutschland in sicheren Händen: Das ist das Motto der amtierenden Kanzlerin, die bei den Bundestagswahlen kommenden Sonntag ihre Wiederwahl vor Augen hat. Angela Merkel gilt als eine der mächtigsten Frauen der Welt, sie lenkt die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland als letztes Zugpferd in Europa. Doch in der Heimat gibt sie sich ganz zahm. Bescheidenheit statt Machthunger heißt das Credo. Und die „Übermutti“ der Nation enteilte ihrem Konkurrenten von der SPD, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück. Doch im Finish zeigte Merkel Schwächen. Im TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten hatte Steinbrück die stärkeren Ansagen. Die Inhaltsleere der deutschen Kanzlerin im Wahlkampf schien sich erstmals zu rächen, der Glanz Merkels verblasste. Steinbrück und die SPD sahen wieder einen Silberstreif am Horizont.

Doch im direkten Duell lässt Merkel ihren früheren Finanzminister Peer Steinbrück weiterhin im Regen stehen. Und auch seine Partei will nicht so recht auf Touren kommen. In der letzten Forsa-Umfrage erreicht die Union unverändert 39 Prozent und die SPD 25 Prozent der Stimmen. Allerdings: In der gestern von der FAZ veröffentlichten Allensbach-Umfrage kommen Union und FDP auf keine Mehrheit und liegen mit zusammen 45 Prozent einen Prozentpunkt hinter SPD, Grünen und Linkspartei. CDU

CSU kommen auf 39 Prozent, die SPD auf 26. Die Grünen rangieren mit elf Prozent zweistellig, gefolgt von der Linken mit neun Prozent. Die FDP schafft es mit sechs Prozent in den Bundestag.

Und trotzdem: Die Liberalen, die bei der Landtagswahl in Bayern aus dem Landtag flogen, kämpfen ums politische Überleben. Um nicht an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern, fischen sie nun im Wählerteich der Union­. Sie werben auf den letzten Metern massiv um so genannte Leihstimmen aus dem Lager der Christdemokraten. Das Kalkül: Unions-Wähler sollen, um den Fortbestand der schwarz-gelben Koalition zu sichern, ihre Zweitstimme – sie entscheidet, wie die Sitze im Parlament unter den Parteien aufgeteilt werden – der FDP geben. „Die Kanzlerin weiß doch auch, dass ohne FDP die Tage ihrer Kanzlerschaft gezählt wären“, erklärte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle. Die Union will von einer Schützenhilfe für den schwächelnden Koalitionspartner freilich nichts wissen. Denn eines ist klar: Die Zweitstimmen-Strategie könnte die Union einige Prozentpunkte kosten. Und das will Merkel auch in Hinsicht auf mögliche Koalitionsverhandlungen mit der SPD auf jeden Fall vermeiden. „Wir möchten die Koalition (mit der FDP) gern fortsetzen, aber die CDU hat keine Stimme zu verschenken“, stellte sie klar.

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Auf der anderen Seite kommt die Opposition nicht in die Gänge. Das Projekt einer rot-grünen Regierung scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Auch wenn die SPD auf den letzten Metern noch Boden gutmachen sollte, bleibt Steinbrücks Hoffnung auf den Kanzlertraum wohl unerfüllt. Denn auch die Grünen als Wunschpartner der SPD sind zuletzt ins Straucheln geraten. Jenseits der Pädophilie-Debatte sorgten vor allem ihre Steuerpläne für Unmut. Das Kernthema Umweltpolitik geriet immer weiter in den Hintergrund, das Eindringen in bürgerliche Wählerschichten – wie dies etwa bei den Wahlen in Baden-Württemberg im März 2011 gelungen war – scheint gestoppt. In den letzten Umfragen dümpelten die Grünen rund um die Zehn-Prozent-Marke. Als Alternative von Schwarz-Gelb und Rot-Grün gilt die Bildung einer großen Koalition. Und was von der SPD im Wahlkampf stets ausgeschlossen wurde, scheint intern bei den Sozialdemokraten längst kein Tabuthema mehr zu sein. Nur Steinbrück müsste seinen Platz räumen.

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