99 Jahre nach Sarajewo: Wo steht Österreich heute?

Manfried Rauchensteiner präsentiert Geschichte des Ersten Weltkriegs. Für ihn ist klar: Der Kaiser wusste, was passieren würde.

© Böhlau Verlag

Wien –Einen Weltkrieg habe Franz Josef 1914 nicht entfesseln wollen, meint der Historiker Manfried Rauchensteiner. Der Monarch sei aber auch nicht der senile Kaiser gewesen, der in den Krieg getrieben worden sei, sondern habe bewusst die militärische Entscheidung mit Serbien gesucht und habe damit „sehenden Auges“ auch den Krieg mit Russland auf sich genommen, ist Rauchensteiner überzeugt.

Rechtzeitig vor dem Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 präsentiert der frühere Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums eine 1200 Seiten umfassende Geschichte des Krieges und des Endes der Habsburgermonarchie. Die Arbeit in Archiven quer durch Europa habe dabei neue Einsichten möglich gemacht, betonte Rauchensteiner gestern bei der Vorstellung des Werkes.

Vor allem die Person von Kaiser Franz Josef versuche er plastischer als bisher zu zeichnen und verabschiedete sich damit vom Bild des Monarchen, den nur Kriegstreiber in der Umgebung angetrieben hätten. Vielmehr habe Franz Josef selbst schon bald nach dem Attentat von Sarajewo, bei dem Thronfolger Franz Ferdinand von serbischen Extremisten ermordet wurde, den Entschluss zum Krieg gegen Serbien gefasst.

Österreich-Ungarn und seine Armee seien auf den Krieg aber überhaupt nicht vorbereitet gewesen, berichtete Rauchensteiner. Seine Studien hätten gezeigt, dass die Armee auch schon Ende 1914 am Ende gewesen sei und den Krieg ohne die deutschen Verbündeten nicht mehr hätte fortsetzen können.

Aktuell würde sich Rauchensteiner von der Bundesregierung eine Antwort wünschen, wie denn das heutige Österreich zum Ersten Weltkrieg, zur Schuldfrage und zum Umgang mit den betroffenen Nationen stehe.

Der Sprecher des Außenministeriums gab der TT eine Teilantwort: Österreich bemühe sich für 2014 um eine gemeinsame europäische Erklärung mit dem Schwerpunkt der Überwindung der Nationalismen. (sabl)

Manfried Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914–1918, Böhlau Verlag, 1222 Seiten, 45 Euro.


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