Viel Aufregung um mehrsprachige Werbung

Dass er auf Türkisch um Wählerstimmen kämpfen soll, warf FPÖ-Chef Strache Kanzler Faymann vor. Die Grünen stehen zur Mehrsprachigkeit.

Wien –„Faymann fürchtet sich vor Türkisch. Wir nicht!“ Entspannt reagierte Grünen-Abgeordnete Alev Korun auf die Aufregung um Wahlplakate auf Türkisch. Die in Ankara geborene Politikerin postet auf Facebook ein gemeinsames Wahlplakat mit Grünen-Sprecherin Eva Glawischnig, wo in vier Sprachen „Deine Stimme für gleiche Chancen“ zu lesen ist. „Unsere Mehrsprachigkeit ist unser Potenzial“, sagt Korun, dass Deutsch bei jedem grünen Flyer und Plakat selbstverständlich sei. Und sie ärgert sich über ÖVP und SPÖ: Denn die würden ihre Kandidaten mit Migrationshintergrund „für dumm verkaufen“, indem sie sie kandidieren, im Wahlkampf laufen und um Vorzugsstimmen kämpfen lassen, aber mit deren mehrsprachigen Plakaten „nichts zu tun haben wollen“.

ÖVP-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz war vor knapp drei Wochen auf Wahlplakaten mit einem ÖVP-Kandidaten und einem türkischen Slogan zu sehen. „Ich werbe auf Deutsch“, sagte er damals angesprochen auf die politische Werbung. Rasch wurden die Plakate entfernt. Und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache konfrontierte im ORF-Wahlduell Bundeskanzler Werner Faymann mit einer Werbung auf Türkisch. Darauf reagierte der SPÖ-Chef heftig und laut – was ihm auch Kritik einbrachte. Faymann verteidigte seinen Ausbruch mit: „Ich finde, wir haben uns von Herrn Strache schon genug gefallen lassen.“

Die Themen Migration und Integration sind erst seit den 1990er-Jahren in Nationalratswahlkämpfen präsent. 1986 lag der Anteil an den Wahlprogrammen laut Studie des Politikwissenschafters Oliver Gruber lediglich bei durchschnittlich 1,8 Prozent. 2006 stieg der Anteil auf 13,4 Prozent. Die Themenführerschaft hatten stets FPÖ, BZÖ, Grüne und das Liberale Forum. Bei der ÖVP machte Gruber eine Veränderung aus. Während sie sich bis zum letzten Wahlkampf der FPÖ und dem BZÖ angenähert habe, brachte die Besetzung des Integrationsstaatssekretariats eine Änderung: Die Partei habe eine pragmatische Haltung eingenommen. (ritz, APA)

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