Die dunklen Geheimnisse des Alois H.

Der Polizistenmörder könnte auch hinter einer Serie von Einbrüchen in niederösterreichische Jagdhäuser stecken. In seinem Anwesen fanden die Beamten exotische Jagdtrophäen und ein riesiges Waffenlager.

Großpriel –2002 wütete ein Feuer in einem Jagdschloss bei Göstling im südlichen Niederösterreich, 2004 brannte es in einer Jagdvilla bei Wiener Neustadt, ein Jahr später stand ein Jagdhaus bei Pöggstall in Flammen. Immer war bei diesen und weiteren Taten seit den 1990er-Jahren das Feuer gelegt, immer waren zuvor Jagdwaffen und Trophäen gestohlen worden, der Schaden betrug in Summe bis zu zehn Millionen Euro. Bloß von dem oder den Tätern fehlte jede Spur – bis Dienstagnacht, als Spezialkräfte der Polizei in das Anwesen des Polizistenmörders Alois H. in Großpriel bei Melk (NÖ) eindrangen und dort auf etliche Trophäen und ein Arsenal von hundert oder mehr Jagdwaffen stießen. Der Mann wird auch verdächtigt, vor zwei Jahren einen Jäger, der ihn beim Wildern ertappt hatte, mit einem Messer verletzt zu haben.

Der 55-jährige H. hatte am Dienstag drei Polizisten und einen Rotkreuz-Sanitäter erschossen und sich dann in seinem Haus verschanzt. Immer wieder feuerte er auf die Spezialkräfte, die das Haus belagerten. Am Abend drangen die Beamten schließlich mit Hilfe eines Panzers in das Gebäude ein. Die Leiche des Täters fanden sie verbrannt in einem Bunkerraum im Keller. Der Mann hatte sich mit einem Kopfschuss selbst gerichtet und zuvor den Raum in Brand gesteckt.

Gestern wurde bekannt, dass Alois H. schon auf der Flucht einen Streifschuss im Bauchbereich erlitten hatte, der laut dem Obduktionsergebnis aber nicht lebensgefährlich war, berichtete Michaela Schnell, Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft, die das Doppelleben und die dunklen Geheimnisse des Alois H. aufklären müssen, hat die Arbeit aber erst begonnen. Sechs Jagdwaffen hat Alois H. offenbar legal besessen, alle blitzblank und bestens gepflegt.

Das Waffenarsenal im Keller geht aber weit darüber hinaus. Diese Vielzahl „übersteigt zweifelsohne jeden erlaubten Rahmen um ein Vielfaches“, meint Franz Polzer, der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich. Rechtmäßig besitzen könnte jemand diese Menge nur als angemeldete Sammlung.

Untersucht werden müssen zudem die gefundenen Trophäen – auch solche von exotischen Tieren. Details wollten die Ermittler gestern noch nicht preisgeben. Noch stehe nicht fest, ob H. bei seinen mutmaßlichen Raubzügen Mittäter hatte. Die Frage etwa, ob auch ein präparierter Puma, der in einer 2004 ausgebrannten Jagdvilla fehlte, unter den Trophäen ist, ließ Staatsanwältin Schnell gestern unbeantwortet.

Ein Jugendfreund H.s erzählte dem Kurier, der Täter habe ihm am Dienstag telefonisch die Morde und die Brandstiftungen gestanden. Gefunden habe er die Häuser wohl auf seinen Touren als Holztransporteur, der in der Region „jeden Weg und jede Hütte“ gekannt habe.

Eine Mitverantwortung H.s für das Verschwinden der Ötscherbären wurde von den Ermittlern vorerst aber nicht bestätigt. Die Raubtiere sind in der Ötscherregion nach einer zwischenzeitig erfolgreichen Ansiedlung ein zweites Mal ausgestorben. Laut Medienberichten fand die Polizei im Keller Felle und Tatzen von Bären. Eine Bestätigung dafür ist aber noch ausständig, weil die Tatortarbeit noch nicht einmal begonnen habe.

Kriminalamtschef Polzer warnte auch davor, alle offenen Verdachtsfälle in der Region Alois H. zuzuschreiben. Umgekehrt sei eine Aufklärung der Einbruchsserie und der weiteren Taten von H. – er soll eine ganze Reihe kapitaler Hirsche gewildert haben – wichtig für das Sicherheitsgefühl der Menschen. Beim Verdacht auf Diebstahl, Einbruch und Wilderei „geht es zum Teil um bedeutende Straftaten. In der Bevölkerung führt das dazu, dass keiner mehr dem anderen traut. Außerdem können vielleicht unschuldig in Verdacht Geratene entlastet werden.“ (APA, TT)


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