„Larissas Schicksal bewegt uns einfach“

Rund um die Suche nach der vermissten 21-jährigen Larissa entwickelt sich eine einzigartige Solidarität. Aus ganz Tirol beteiligen sich Hunderte an der Facebook-Aktion „Wir suchen Larissa“. Ein Lokalaugenschein vor Ort.

Larissa B. (21 Jahre alt) wird seit der Nacht zum Samstag, 14. September 2013, vermisst.
© Polizei

Von Liane Pircher

und Brigitte Warenski

Innsbruck –Es ist knapp nach 16 Uhr. Vier junge Frauen bereiten sich auf dem Parkplatz des Merkurmarkts in Neu-Rum für die nächtliche Suchaktion nach der verschwundenen Larissa vor: Taschenlampen, Sicherheitswesten und Hunderte Flyer stapeln sich auf einem Biertisch. „Wir haben keine Ahnung, wie viele Leute heute kommen werden, gestern waren es fast 200“, sagt Jasmin. Gemeinsam mit Diana hat die junge Frau am Dienstag via Face­book die einzigartige Suchaktion „Wir suchen Larissa“ gestartet, die bereits knapp 25.000 „Likes“ hat: „Obwohl wir beide Larissa nicht kennen, hat uns einfach ihr Schicksal bewegt. Wir wollten etwas tun“, erzählt Jasmin.

Seitdem treffen sich täglich Jung und Alt, um nach der 21-Jährigen zu suchen. Bis tief in die Nacht hinein sind die Freiwilligen unterwegs und hoffen, auf Spuren oder andere Hinweise zu stoßen. „Zuerst haben wir nur die nähere Umgebung abgesucht, mittlerweile gehen wir allen Hinweisen sogar bis nach Mittenwald nach“, erklärt Jasmin. Für die Spurensuche opfern die jungen Leute nicht nur ihre Freizeit, sie haben auch auf eigene Kosten Flyer drucken lassen, die sogar in Italien und Deutschland verteilt werden. Inzwischen wird die Facebook-Aktion auch von Larissas Familie unterstützt: „Ihr Vater hat sich für die Solidarität bedankt und uns einen Polster und ein Kleidungsstück von Larissa für die Suchhunde gegeben.“ Einig sind sich Diana, Jasmin und Bianca (die die Facebook-Gruppe mitbetreut), was sie auf keinen Fall wollen: „Wir distanzieren uns strikt von irgendwelchen Vermutungen oder Anschuldigungen. Uns geht es nur darum, nicht tatenlos herumzusitzen, weil mehr Augen einfach mehr sehen. Welche Hinweise wir gefunden haben, werden wir auf Facebook niemals veröffentlichen. Die gehen nur die Polizei etwas an“, so Jasmin. Auch wenn die Kerngruppe und viele Helfer schon seit Nächten unterwegs sind und kaum geschlafen haben, denkt keiner ans Aufhören: „Egal, wie lange die Suche dauert, auch wenn es drei Monate sind, wir hören nicht auf“, verspricht Diana.

Von der Hilfsbereitschaft der Jungen berührt zeigt sich Gerald Ertl, Leiter des Merkurmarkts: „Ich finde es stark, dass die jungen Menschen zeigen, dass Facebook auch für eine ernste Sache genutzt werden kann.“ Ertl, der selbst Vater ist, bewundert vor allem, „dass die Jugend sich trifft und hilft, um gemeinsam die Trauer über das Unfassbare zu bewältigen. Und daher ist es für mich selbstverständlich, dass sie auf unserem Parkplatz jeden Tag ihre Basis aufschlagen dürfen.“

Zu spüren ist die Betroffenheit über das ungewisse Schicksal Larissas in jeder Ecke des Innsbrucker Stadtviertels: „Die Leute reden hier alle davon und sind geschockt“, sagt Verkäuferin und Anrainerin Anna, deren Tochter zu Fuß in die Schule geht, derzeit aber aus Angst mit dem Bus fährt. Zufällig vor Ort ist auch Petra Fellner aus dem Außerfern, die Larissas Familie kennt: „Klar denkt man bei so einer schrecklichen Geschichte auch an die eigenen Kinder und macht sich Sorgen.“ Kein gutes Gefühl hat auch Sabine Hupfauf, wenn ihre bald 16-jährige Tochter abends unterwegs ist: „Halb erwachsene Kinder kann man halt nicht einsperren, aber ich hole sie überall ab.“ Dass Neu-Rum nun als besonders gefährlich gelten könnte, hoffen alle nicht: „Das kann leider überall passieren“, ist Hupf­auf überzeugt.

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Larissa B. (21 Jahre alt) wird seit der Nacht zum Samstag, 14. September 2013, vermisst.
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