Der „Joggl“ hat’s eilig – an der Wand wie auf der Uni

Jakob Schubert ist ein Tausendsassa. An den Kletterwänden der Welt fühlt sich der 22-jährige Innsbrucker genauso wohl wie im Uni-Hörsaal.

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck –Es ist schon eine spezielle Geschichte, die Jakob Schubert mit der belgischen Gemeinde Puurs verbindet. Und das hat nichts damit zu tun, dass die dortige Wettkampfwand dem 22-Jährigen laut Selbstdiagnose „ziemlich gut liegt“. Als frischgebackener Weltmeister war Schubert vor fast genau einem Jahr wegen eines Handys in der Isolationszone disqualifiziert worden. Am vergangenen Wochenende feierte er an gleicher Stelle den ersten Saisonsieg im Vorstieg-Weltcup.

„Ich habe schon vorher gewusst, dass mir so ein blöder Fehler nicht mehr passieren wird“, lacht Schubert, der mit Platz eins in Puurs auch im Vorstieg-Weltcup Boden auf das Führungsduo Sachi Amma (JAP) und Ramón Julian Puigblanque (SPA) gutgemacht hat. „Es ist noch zu früh, um auf die Gesamtwertung zu schauen“, meint Schubert. Recht hat er. Immerhin folgen noch fünf weitere Weltcup-Stopps. Der nächste schon am kommenden Wochenende in Perm (Russland).

Ganz unwichtig sei der Vorstieg-Premierensieg 2013 aber natürlich nicht gewesen. „Meine Konkurrenten haben ja ebenfalls schon einen Weltcup gewonnen. Außerdem habe ich mir jetzt viel Selbstbewusstsein für die kommenden Aufgaben geholt.“

Selbstbewusstsein, das Schubert nicht nur auf den Kletterwänden dieser Welt ausstrahlt. Auch auf der Universität schreitet der Student der Wirtschaftswissenschaften mit großen Schritten Richtung Abschluss. Und das in Mindestzeit. „Es macht Spaß. Ich fühle mich auf der Uni wohl, lerne gerne neue Leute kennen“, schwärmt Schubert. „Außerdem ist es eine gute Abwechslung. Ich trainiere ja nicht 24 Stunden am Tag.“

Dass er damit unter den Profisportlern eher die Ausnahme als die Regel darstellt, weiß Schubert. Trotzdem relativiert er: „Es gibt sicher schwerere Studienrichtungen. Die Wirtschaftswissenschaften sind kein Medizin-Studium. Da würde ich mich sicher schwerer tun.“

Trotz aller Gegensätze gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen „Joggls“ Lebenswelten. Bei Prüfungen auf der Uni sind Handys genauso unerwünscht wie in der Isolationszone im Kletter-Weltcup.


Kommentieren


Schlagworte