Juwelier-Räuber: Prozess gegen Pink-Panther-Bande hat begonnen

Der achtköpfigen Bande werden fünf Raubüberfälle auf Juweliere in Wien und Salzburg zur Last gelegt. Sieben der Angeklagten bekannten sich teilweise schuldig. Ein Urteil soll am Freitag fallen.

Wien – Am Wiener Straflandesgericht hat am Montag der Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder der Pink-Panther-Bande begonnen. Ihnen werden fünf Raubüberfälle auf Juweliere in Wien und Salzburg angelastet. Sieben der beschuldigten Männer im Alter von 23 bis 45 Jahren - allesamt gebürtige Serben - waren teilweise geständig, ein 45-jähriger Taxifahrer bekannte sich „nicht schuldig“. Die Verhandlung ist für insgesamt vier Tage anberaumt. Ein Urteil ist für Freitag geplant.

Zwei der Angeklagten wurden am ersten Prozesstag einvernommen: Als Erster sagte ein 26-jähriger Autohändler aus. Er habe mit der Tatplanung nichts zu tun gehabt und sei nur der „Transporteur der Beute“ gewesen: „Der Plan hat mich nicht interessiert. Ich habe mich auf den Transport beschränkt.“ Außerdem habe er anfangs gedacht, es handle sich um Diebstähle. Dass es in der Realität um Raubüberfälle ging, habe er über das Internet erfahren und davon, „was man sich so auf der Straße erzählt“. Mitgemacht habe er wegen seiner „schlechten finanziellen Situation“.

Als Zweiter sagte ein 36-jähriger Fleischer aus. Er gilt als einer der Hauptangeklagten. Der Mann war geständig, vier der fünf Raubüberfälle ausgeführt zu haben. Seine Rolle habe vorwiegend darin bestanden, die Schaufenster der Juweliere mit einer Axt zu zerschlagen und die Wertgegenstände mitzunehmen. Im Laufe der Zeit habe er aber Angst bekommen, vor allem, als ein Überfall auf einen Salzburger Juwelier fehlschlug. Die Fensterscheiben waren einbruchssicher und hatten Alarm ausgelöst, woraufhin der Beschuldigte mit zwei weiteren Mittätern flüchtete.

Beim vierten Coup auf ein Juwelier-Geschäft in Wien-Hernals geriet die „Situation außer Kontrolle“, wie der 36-Jährige schilderte, nachdem sich Angestellte zur Wehr gesetzt hatten. Der Fleischer schlug daraufhin mit einer Axt auf einen der Mitarbeitern ein, wofür er sich entschuldigte: „Das habe ich nicht mitbekommen, dass ich jemandem mit der Axt auf den Bauch geschlagen habe.“ In der Folge wechselte der 36-Jährige beim fünften Überfall seine Rolle vom Ausführenden zum „Besorger“, in dem er zuvor Tatwerkzeug und Fluchtauto organisierte.

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Motiv: hohe Schulden

Als Motiv nannte der Fleischer hohe Schulden, die aufgrund einer Augenerkrankung seiner minderjährigen Tochter entstanden waren. Er hatte einen Kredit über 10.000 Euro aufnehmen müssen und sei dann wegen der Rückzahlung unter Druck geraten. Ihm sei in der Folge angeboten worden, Geld durch das Ausüben von Raubüberfällen zu verdienen, was er angesichts „der für ihn aussichtslosen Situation“ annahm. Angaben zur Rolle des Autohändlers sowie der Auftraggeber wollte der Angeklagte „aus Sicherheitsgründen seiner Familie gegenüber“ nicht machen.

Laut Staatsanwalt Markus Berghammer gehören die acht Beschuldigten zur unteren Hierarchieebene einer kriminellen Vereinigung, die ihren Sitz in Belgrad hat. In seinem Eröffnungsvortrag hob er die „besonders brutale Vorgangsweise“ der Männer - u.a. mit Äxten und Pistolen - hervor. Als Beispiel führte der Staatsanwalt den Überfall auf den Juwelier „Elif“ in Wien-Hernals am 2. Oktober 2012 an: „Die Täter wussten, dass sich die Angestellten wehren würden, da der Juwelier schon einmal überfallen worden war.“ Daher hätten sie ohne Vorwarnung auf einen der Angestellten mit der Axt eingeschlagen. Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur.

Beschuldigte laut Verteidigung lediglich „Ausführer und Beitragstäter“

Die sechs der sieben Verteidiger sprachen in ihren Eröffnungsplädoyers beinahe unisono von einem „enormen Druck“ als Tatmotiv, der wegen Geldschwierigkeiten in der Heimat der Angeklagten entstanden wäre. Bei den Beschuldigten handle es sich lediglich um „Ausführer und Beitragstäter“. Einer der Angeklagten sei zudem ein ehemaliger Sonderschüler: „Dass er die Planung übernommen hat, ist einfach absurd“, so der Rechtsanwalt. Die Verteidigerin des 45-jährigen Taxifahrers bestritt jegliche Beteiligung ihres Mandanten. Er sei lediglich mit Fahrten zwischen Wien und Serbien beauftragt worden, habe aber nichts von den Taten gewusst.

Der Prozess wird am morgigen Dienstag fortgesetzt. Ein Urteil soll am kommenden Freitag fallen. (APA)


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