Nairobi: US-Bürger und Britin unter den Geiselnehmern

Hinter der blutigen Geiselnahme in einem Einkaufszentrum von Nairobi steckt offensichtlich eine international operierende Terrorbande.

Nairobi - Aufseiten der islamistischen Geiselnehmer von Nairobi sollen mehrere US-Bürger und eine Britin kämpfen. Kenias Außenministerin Amina Mohamed sagte am Dienstag, zu den Angreifern zählten „zwei oder drei“ junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren. Die international gesuchte britische Terroristin Samantha Lewthwaite soll zu den Drahtziehern gehören. Am vierten Tag des Terrordramas mit über 60 Toten teilte die kenianische Regierung mit, die Militäroperation stehe vor dem Abschluss.

Die US-Bürger in den Reihen der Al-Shabaab-Islamisten seien somalischer oder arabischer Herkunft. „Aber sie lebten in den USA, in Minnesota und an einem anderen Ort“, ergänzte die Ministerin in einem Interview des US-Senders PBS. Die Britin habe sich schon mehrmals an Terrorangriffen beteiligt. Dies beweise die globale Natur des Terrorismus.

29-Jährige als Drahtzieherin?

Seit Tagen gab es Medienberichte, wonach die international gesuchte Terroristin Samantha Lewthwaite zu den Drahtziehern gerechnet wird. Die zum Islam konvertierte 29-Jährige ist die Witwe eines der Selbstmordattentäter von London. Bei der Anschlagserie in der britischen Hauptstadt waren 2005 über 50 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.

In der kenianischen Küsten-Metropole Mombasa wurde unterdessen der Prozess gegen den 30-jährigen Jermaine Grant fortgesetzt. Dem Briten werden versuchte Anschläge sowie Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk und zu Lewthwaite zur Last gelegt.

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Mehrere kleine Explosionen

Im Westgate-Einkaufszentrum von Nairobi suchte das Militär am Dienstag das Gebäude laut unbestätigten Angaben auch nach verstecktem Sprengstoff ab. Augenzeugen berichteten immer wieder von kleineren Explosionen. Medienberichten zufolge stürzte ein Teil des Daches ein.

Mindestens drei Sicherheitskräfte kamen bei der seit Samstag dauernden Aktion um Leben, acht weitere wurden in Krankenhäusern behandelt. „Wir haben drei Helden verloren“, teilten die Behörden mit. Wie viele Angreifer beteiligt waren und wie viele von ihnen getötet wurden, blieb unklar.

„Operation in ihrer letzten Phase“

„Ich kann bestätigen, dass die Operation in ihrer letzten Phase ist“, sagte Kenias Regierungssprecher Ezekiel Mutua am Nachmittag. Präsident Uhuru Kenyatta wollte noch im Laufe des Dienstag eine Erklärung abgeben. Bereits in der Nacht hatte das Innenministerium mitgeteilt, die Lage unter Kontrolle zu haben.

„Unsere Streitkräfte suchen auf allen Stockwerken, um sicherzugehen, dass sich dort niemand mehr aufhält“, teilte das Innenministerium mit. „Wir glauben, dass alle Geiseln frei sind.“

Die somalische Miliz Al-Shabaab, die sich zu der Attacke bekannt hatte, widersprach diesen Angaben jedoch. „Die Geiseln, die in Westgate von unseren Mujaheddin gefangen gehalten werden, leben noch. Sie sehen zwar beunruhigt aus, aber sie leben noch“, teilte die Gruppe in der Früh über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. In dem Einkaufszentrum lägen „unzählige Leichen“.

65 Tote, Dutzende vermisst

Die Behörden gaben die Zahl der Toten mit 65 an, darunter drei an dem Militäreinsatz gegen die Islamisten beteiligte Soldaten. Dutzende Menschen wurden vermisst. Berichten zufolge wurden Leichenhallen in Nairobi benachrichtigt, dass weitere Tote zu erwarten seien. Bei dem Überfall mit Handgranaten und automatischen Schusswaffen waren am Samstag neben zahlreichen Kenianern unter anderem Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner ums Leben gekommen oder verletzt worden. Etwa zehn Verdächtige wurden am Montag festgenommen und verhört.

Unterdessen forderte der UN-Sondergesandte für Somalia, Nicholas Kay, die Staatengemeinschaft zu einem entschiedeneren Kampf gegen die Islamistengruppe auf. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Geiselnahme. „Solche abscheulichen terroristischen Taten bedrohen uns alle“, erklärte der Däne in Brüssel. „Sie können niemals gerechtfertigt werden.“ (APA/dpa/Reuters)


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