Benedikt XVI.: „Habe niemals pädophile Priester geschützt“

Der emeritierte Papst schrieb dem italienischen Mathematiker Piergiorgio Odifreddi über Glauben und Wissenschaft.

Benedikt XVI. im Mailänder Dom.
© Pressefoto ULMER

Vatikanstadt - Benedikt XVI. hat in einem Schreiben an den italienischen Mathematiker Piergiorgio Odifreddi zum heiklen Thema pädophiler Priester Stellung genommen. Er könne lediglich mit „tiefster Konsternierung“ feststellen, dass das Problem in der Kirche bestehe. „Ich habe jedoch niemals versucht, diese Situationen zu verheimlichen“, betonte der Papst in seinem Schreiben an den Atheisten Odifreddi, der kürzlich das Buch „Caro Papa, ti scrivo“ (Lieber Papst, ich schreibe Dir) mit Überlegungen zum Thema Glauben und Wissen veröffentlicht hat.

„Die Macht des Bösen“

„Dass die Macht des Bösen derart tief in die Innenwelt des Glaubens dringt, ist ein Leid, das wir einerseits erdulden müssen. Andererseits müssen wir alles tun, damit sich solche Fälle nicht wieder ereignen. Es ist für uns kein Grund des Trosts, zu wissen, dass laut Studien von Soziologen der Prozentsatz von Priestern, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, nicht höher als in anderen vergleichbaren Berufsgruppen ist. Jedenfalls dürfte man nicht diese Perversion darstellen, als würde es sich um spezifischen Schmutz des Katholizismus handeln“, berichtete Ratzinger.

Auf Odifreddis Behauptung, dass Theologie „Science Fiction“ sei, antwortete der Papst, dass eine wichtige Funktion der Theologie jene sei, Religion mit Vernunft und Vernunft mit Religion zu verbinden. In der „Religion der Mathematik“ über die sich Odifreddi in seinem Buch äußere, würden drei fundamentale Elemente der menschlichen Existenz fehlen: „Freiheit, Liebe und das Böse“, kommentierte der emeritierte Papst.

„Ihrer Rolle unwürdig“

Ratzinger antwortete auch kritisch auf Aussagen Odifreddis über die historische Figur Jesu. „Das was Sie über die Figur Jesu behaupten, ist ihrer wissenschaftlichen Rolle unwürdig. Sie stellen die Frage, als ob man von Jesus im Grunde nichts wüsste und als ob er als historische Figur nicht erfassbar sei. Ich kann Sie nur auf entschiedene Weise auffordern, vom historischen Standpunkt kompetenter zu werden“, betonte Ratzinger.

Erst vor zwei Wochen hatte Papst Franziskus in einem Brief auf Fragen über den Glauben geantwortet, die ihm vom italienischen Starkommentator Eugenio Scalfari - Gründer und ehemaligen Chefredakteur der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ - in einem im August veröffentlichten Beitrag gestellt worden waren. Der Brief des Papstes wurde von der Tageszeitung veröffentlicht. (APA)


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