Equal Pay Day: In Osttirol sind die Männer die Armen

In Osttirol ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen geringer als im Landesschnitt – aber nicht, weil Frauen gut verdienen.

Von Catharina Oblasser

Lienz –Im Bezirk Lienz ticken die Uhren anders, wenn es um den „Equal Pay Day“ geht. Dieser Tag ist ein Maßstab für die Einkommenskluft zwischen Frauen und Männern. Je später im Jahr er angesetzt ist, desto kleiner die Lohnschere. Während für ganz Tirol heuer der 27. September als Equal Pay Day gilt, ist er in Osttirol erst später, nämlich am 29. September.

Daraus dürfe man aber nicht ableiten, dass Frauen bei uns besser verdienen als in Nordtirol, betont Harald Kuenz vom Gewerkschaftsbund Lienz. „Im Gegenteil. Mit einem Jahreslohn von durchschnittlich 20.697 Euro für eine 40-Stunden-Woche sind Frauenlöhne in Osttirol am zweitniedrigsten unter allen Bezirken.“ Noch weniger bekommen nur die Landeckerinnen.

Der Grund ist vielmehr, dass die Männer im Bezirk weit schlechter verdienen als in Nordtirol. „Bei den Männerlöhnen liegen wir mit 26.667 Euro jährlich für 40 Stunden an letzter Stelle“, so Kuenz. Zum Vergleich: Innsbrucker Männer verdienen über 30.000 Euro, der Tirolschnitt liegt bei knapp 29.000 Euro. Dieses tiefe Lohnniveau erklärt der Gewerkschaftssekretär mit der hohen Arbeitslosigkeit im Bezirk. „Firmen können Top-Leute bekommen, auch wenn sie nur den kollektivvertraglichen Mindestlohn zahlen.“

Den Osttiroler Frauen hilft das freilich wenig, dass auch Männer relativ schlecht verdienen. ÖGB-Frauenvorsitzende Gabi Zambelli plädiert für Bewusstseinsbildung. „Wir haben vor Kurzem vor einem großen Supermarkt eine Aktion zum Equal Pay Day durchgeführt“, berichtet sie. „Viele Frauen wissen gar nichts von dem großen Lohngefälle zwischen Mann und Frau. Andere wieder sagten: Ja, aber was kann man schon tun?“, schildert Zambelli. Die Kindergärtnerin weiß auch aus ihrem eigenen Berufsumfeld, dass die typisch „weiblichen“ Pflege- und Betreuungsberufe besonders schlecht bezahlt sind. „Natürlich ist es nicht leicht, große Lohnforderungen zu stellen, wenn schon zehn andere Bewerberinnen auf den Job warten“, meint sie. Doch zu viel Bescheidenheit sei auch nicht das Richtige. „Damit fallen wir Frauen uns selbst in den Rücken.“


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