Zillertaler Agrarstreit um neue Seilbahn

Bürgermeister von Fügen und Fügenberg fordern Macht-wort des Landes, Agrargemeinschaft weist Kritik zurück.

Von Peter Nindler

Fügen, Fügenberg –Ein Schreiben des Fügener Vizebürgermeisters Rudolf Kößler im Namen des Bürgermeisters heizt jetzt die Agrargemeinschaftsdebatte erneut an. Es ist ein Appell an Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP) ein Machtwort zu sprechen und dem Flurverfassungsgesetz zur oft beschworenen Geltung zu verhelfen. Damit spricht er wohl vielen Gemeindevertretern von Osttirol bis Sölden aus dem Herzen.

Obwohl es im Frühjahr für die Erweiterung des Skigebiets Spieljoch mit der geplanten Metzenjochbahn gut ausgesehen hat, legte die Agrargemeinschaft Fügen-Fügenberg Anfang September einen mit vielen Zusätzen gespickten überarbeiteten Dienstbarkeitsvertrag vor. Diesen lehnen die Gemeinden ab.

Die Forderungen der Agrar, die aus Gemeindegut hervorgegangen ist, würden laut Kößler die Wirtschaftlichkeit der Bergbahnen und somit auch die der Gemeinden sowie der Ferienregion schwer belasten. „Wir scheuen uns auch nicht davor, den Großteil dieser Forderungen schamlos und sittenwidrig zu nennen“, schreibt Kößler wörtlich. In der Gesellschafterversammlung der Bergbahn Fügen sei deshalb auch angedacht worden, die Agrar-Ausschussmitglieder „für den nachweisbaren Schaden, der der Bergbahn und der Tourismuswirtschaft durch die Verzögerung entsteht, haftbar zu machen“.

Fügenbergs BM Josef Fankhauser unterstützt die Forderung nach einem Machtwort der Landespolitik. „So kann es nicht weitergehen. Eigentlich war alles ausgemacht, jetzt wurde plötzlich alles wieder umgekrempelt.“ Für seinen Kollegen in Fügen wird scheinbar ohne Umschweife demonstriert, wie höchstgerichtliche Erkenntnisse und auch das Agrargesetz ausgehebelt werden können.

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Der Anwalt der Agrargemeinschaft, Bernd Oberhofer, versteht hingegen die Aufregung nicht. „Wirtschaftlich haben sich die Parteien so geeinigt, dass – abgesehen von der üblichen wechselseitigen Interessenwahrung – meinerseits sicherzustellen ist, dass ein bestimmter Betrag, den die Agrargemeinschaft als Gegenleistung für die touristische Erschließung fordert, jedenfalls für land- und forstwirtschaftliche Ausgleichsmaßnahmen im betroffenen Gebiet erhalten bleibt und nicht dem Staat zufällt.“ Kein Verständnis hat Oberhofer für Formulierungen wie „sittenwidrig“. Er werde nicht akzeptieren, wenn von den politischen Repräsentanten sein Versuch und seine Pflicht, bestimmte wirtschaftlich gewünschte Ergebnisse juristisch abzusichern, herabsetzend beurteilt würden.

Fügens VBM Kößler sieht dies naturgemäß anders, wie er auch LHStv. Geisler mitteilt. Sachverständige hätten klargestellt, dass der für die Agrargemeinschaft wesentliche Zuwachsverlust durch die festgesetzten Dienstbarkeitsentgelte um ein Mehrfaches abgedeckt seien. Diese seien bereits im Vorjahr von den Gemeinden beschlossen worden. Alle weitergehenden Forderungen weise man strikt zurück.


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