„Watchdog ist man so nicht“

Mit einer Schelte für Medien und Politik wurden gestern in Wien die 20. Österreichischen Medientage eröffnet.

Wien –„Der Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher ist es zunehmend egal, was die Medien so treiben“, kommentiert Medientage-Gründer Hans-Jörgen Manstein die zunehmende Entfremdung zwischen Medien und Medienkonsumenten sowie Politikern und Bürgern. Journalisten produzierten Geschichten für Journalisten. Damit gewinne man höchste Preise, draußen an den Kiosken interessiere das aber niemanden. „Watchdog und vierte Gewalt ist man so nicht“, so Manstein. Die Demokratie sichernde Medien würden jedenfalls anders aussehen. Die Politik agiere unterdessen „erschütternd inhaltsleer. „Wir erleben eine erstaunliche Degenerierung der politischen Kultur“, so der Verleger und plädiert deshalb für eine Erneuerung bei Medien und Politik.

Eröffnet wurden die Medientage, die heuer unter dem Generalthema „Medien, Politik und Demokratie – ein Widerspruch“ stehen, mit einem Vortrag des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Für ihn liegt die Zukunft der Medien „in Mobile und in Social Media“. Den Politikern rät er, stärker auf Digitalisierung zu setzen, was die Demokratie unmittelbarer und direkter mache. Selbst Online-Wahlen sind für Stoiber durchaus denkbar.

Einen „von Grund auf anders organisierten ORF“ wünscht sich der ehemalige Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad. Man müsse aber auch über die Summe von mehr als 200 Mio. Euro an öffentlichen Geldern nachdenken, die pro Jahr in die Medien fließen. Handlungsbedarf sieht Konrad bei der Presseförderung. Hier gelte es vieles neu zu machen, anstelle etablierte Medienunternehmen „künstlich über Wasser“ zu halten. Um für eine Presseförderung als zeitlich begrenzte Starthilfe zu plädieren.

Den zuletzt stark wachsenden Gratismedien kann Konrad wenig Positives abgewinnen: Diese seien maßgeblich von Einschaltungen durch öffentliche Stellen abhängig. Außerdem ortete der ehemalige Banker bei Politikern überzogene Erwartungshaltungen gegenüber den Medien. Anstatt die Politik nach den Medien auszurichten, wünscht er sich „selbstbewusste Politiker und Journalisten, die nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Job nachgehen“.

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Als „erfolgreichste Magazingründung der vergangenen Jahre“ wurde die Red-Bull-Zeitschrift Servus in Stadt & Land bei den Österreichischen Medientagen mit dem Medien-Zukunftspreis 2013 ausgezeichnet. (APA, TT)


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