Kenia verkündet Sieg über Kaufhaus-Terroristen

Fünf Angreifer seien laut Präsident Uhuru Kenyatta getötet und elf festgenommen worden. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Nairobi - Nach mehrtägigem Nervenkrieg ist das Geiseldrama in einem Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi am Dienstag blutig beendet worden. „Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt“, erklärte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta am Abend in einer Fernsehansprache. Mehr als 70 Menschen seien während der viertägigen Belagerung des Gebäudes getötet worden. Zum Angriff hatte sich die islamistische Shebab-Miliz bekannt.

„Unsere Verluste sind immens“, erklärte der Staatschef. Unter den Opfern seien 61 Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte. Zudem seien fünf Geiselnehmer getötet worden. Elf Verdächtige seien inhaftiert worden. Noch seien nicht alle Opfer geborgen, fügte Kenyatta hinzu. Die Decken in drei Stockwerken des Westgate-Einkaufszentrums seien eingebrochen und hätten mehrere Zivilisten und Kämpfer der somalischen Miliz unter sich begraben.

„Weiße Witwe“ unter Drahtziehern?

„Das Haupt unserer Nation ist zwar blutig, aber ungebeugt“, sagte betonte der kenianische Präsident. Die Angreifer und ihre Hintermänner würden zur Rechenschaft gezogen, kündigte er an. Geheimdienstberichte, wonach sich unter den Kämpfern auch zwei oder drei US-Bürger sowie eine britische Frau befanden, wollte Kenyatta nicht bestätigen. Durch gerichtsmedizinische Untersuchungen werde nun die Herkunft der Täter geklärt.

Zuvor hatte bereits Außenministerin Amina Mohamed Spekulationen angeheizt, wonach die 29-jährige Britin Samantha Lewthwaite an dem Angriff beteiligt gewesen sein könnte. Die auch als „Weiße Witwe“ bekannte Konvertitin war mit dem Selbstmordattentäter Germaine Lindsay verheiratet, der bei einem Anschlag im Juli 2005 in der Londoner U-Bahn 26 Menschen mit in den Tod riss. Lewthwaite ist seit zwei Jahren auf der Flucht. Nach ihr wird wegen Terrorverdachts gefahndet. In Medienberichten wurde sie als Drahtzieherin mehrerer Anschläge am Horn von Afrika bezeichnet.

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Der deutsche Terrorexperte Guido Steinberg sagte, dass sich unter den Shabaab-Kämpfern auch deutsche Islamisten befinden. „Ein deutscher Konvertit namens Andreas Khaled Müller ist immer noch als Shabaab-Kämpfer in Afrika“, sagte er im Interview mit der dpa.

Islamisten verlangten Ende des Militäreinsatzes in Somalia

Das Kommando der Shabaab-Miliz aus Somalia hatte das bei begüterten Kenianern und Ausländern beliebte Einkaufszentrum am Samstag überfallen. Die Milizionäre schossen mit Maschinengewehren um sich und warfen Granaten. Anschließend verschanzten sich in dem Gebäude mit mehreren Geiseln und lieferten sich Gefechte mit den Sicherheitskräften.

Am Montag brachten die Sicherheitskräfte das Gebäude weitgehend unter Kontrolle, allerdings dauerten die Kämpfe mit letzten Geiselnehmern am Dienstag noch an. Die Islamisten verlangten unter anderem ein Ende des kenianischen Militäreinsatzes gegen sie in Somalia. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden bei dem Angriff bis zu 200 Menschen verletzt.

Unter den Getöteten waren nach Aussagen ihrer Freunde auch die hochschwangere Niederländerin Elif Yavuz und ihr Mann, der australisch-britische Architekt Ross Langdon. Die Malaria-Expertin arbeitete den Angaben zufolge für die Stiftung von Bill Gates. Ein Foto auf ihrer Facebook-Seite zeigte sie mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton, den sie kürzlich in Kenia getroffen hatte, wie die australische Zeitung „The Age“ berichtete.

Der blutige Überfall und die Geiselnahme lösten weltweit Entsetzen aus, zumal auch Kinder betroffen waren. Kenyatta ordnete am Dienstag eine dreitägige Staatstrauer an. (APA)


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