Hypothekenstreit: JPMorgan will sich mit drei Mrd. Dollar freikaufen

Die Bank soll beim Verkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere und riskanter Immo-Kredite im Zeitraum 2005 bis 2007 gegen Gesetze verstoßen haben. Das Justizministerium bereitet angeblich eine Klageschrift gegen die Großbank vor.

New York - Die US-Großbank JPMorgan will sich einem Insider zufolge aus den Ermittlungen wegen umstrittener Hypotheken-Geschäfte freikaufen. JPMorgan habe dem Justizministerium rund 3 Mrd. Dollar (2,23 Mrd. Euro) zur Beendigung diverser Ermittlungen angeboten, berichtet das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Dem Ministerium schwebe jedoch eine höhere Summe vor. Das Geldhaus und das Ministerium verhandelten derzeit noch.

Es werde mittlerweile landesweit mit den Behörden verhandelt, erfuhr Reuters von der Person, die mit dem Sachverhalt vertraut ist. Zuvor war das Geldhaus mit einem Vergleichsangebot im Bundesstaat Kalifornien abgeblitzt.

Dort werden JPMorgan Gesetzesverstöße bei dem Verkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere und riskanter Immobilienkredite im Zeitraum 2005 bis 2007 vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft in Kalifornien verschob dennoch ihre Pläne, Klage einzureichen, um zunächst die weiteren Verhandlungen abzuwarten. Eine Einigung scheiterte an der Höhe der von JPMorgan angebotenen Summe, die den Behörden zu niedrig war, wie es im Umfeld der Gesprächsteilnehmer hieß.

Auch das Bauministerium ermittelt

Neben dem Justiz- ist mittlerweile auch das Bauministerium mit eigenen Ermittlungen eingebunden. Es wies allerdings einen Zeitungsbericht als „grundsätzlich falsch“ zurück, wonach die Behörde von JPMorgan eine Zahlung von 20 Mrd. Dollar verlange.

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Der Handel mit Hypotheken-Papieren gilt als ein Auslöser der globalen Finanzkrise. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos und brockten ihren Besitzern hohe Verluste ein. Viele Banken kamen in Schwierigkeiten. Die US-Regierung geht gegen mehrere Finanzinstitute vor, um diese dafür zur Rechenschaft zu ziehen und sie an den Kosten der Krise zu beteiligen. Erst am Dienstag reichte die Regulierungsbehörde National Credit Union Administration in diesem Zusammenhang Anklage gegen JPMorgan, Morgan Stanley sowie sieben weitere Institute ein.

JPMorgan steht als US-Branchenprimus unter besonderer Beobachtung. Um seinen Londoner Handelsskandal, bei dem ein Händler hohe Summen in den Sand setzte, zu den Akten zu legen, drückt die Bank fast 1 Mrd. Dollar ab. Auch bei den Ermittlungen zu Vorwürfen der Manipulation wichtiger Zinssätze sowie zu umstrittenen Geschäften im Rohstoffhandel gehört das Institut zu den betroffenen Geldhäusern. Zudem gab es zuletzt in China Vorwürfe der Vetternwirtschaft. (APA/Reuters)


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