Mord in Perugia: Neuer Prozess gegen Amanda Knox beginnt

Ein Schwurgericht in Florenz befasst sich mit dem ungeklärten Tod der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im Jahr 2007.

Rom - Fast sechs Jahre nach dem Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im Jahr 2007 beginnt am kommenden Montag vor einem Schwurgericht in Florenz ein neuer Prozess gegen die US-Studentin Amanda Knox, die zuerst verurteilt und dann freigesprochen worden war. Das Kassationsgericht in Rom, das höchste italienische Gericht, hatte im März den Freispruch für Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito aufgehoben.

Die Kassationsrichter hatten im März der Forderung der Staatsanwaltschaft von Perugia zugestimmt, die Rekurs gegen den im Oktober 2011 gefällten Freispruch für die beiden Hauptangeklagten eingereicht hatte. Die 21-jährige Kercher war Anfang November 2007 in Perugia bei Sexspielen getötet worden. 2009 wurden Knox und Sollecito in erster Instanz schuldig gesprochen und zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. 2011 wurden Knox und Sollecito in zweiter Instanz vom Vorwurf, Kercher getötet zu haben, freigesprochen. Daraufhin war sie in ihre Heimatstadt Seattle zurückgekehrt.

Das Urteil enthalte schwere logische und juristische Fehler, hatte die Staatsanwaltschaft von Perugia ihre Berufung begründet. Der Ivorer Rudy Hermann Guede befindet sich weiterhin hinter Gittern. Er war wegen Beihilfe zum Mord und sexueller Gewalt zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Guede könne nicht allein für dieses Delikt verantwortlich gemacht werden, sagten die Staatsanwälte. In allen Blutlacken, die am Tatort gefunden worden waren, seien auch DNA-Spuren Amandas vorhanden gewesen.

Knox will im Gegensatz zu Sollecito nicht am neuen Prozess teilnehmen. „Ich habe als Unschuldige vier Jahre lang in Haft verbracht“, sagte die Amerikanerin nach Angaben italienischer Medien. „Ich versuche, mir ein neues Leben aufzubauen. Ich habe ein einziges Leben und kann es mir nicht mehr erlauben, es der Gefahr einer weiteren Ungerechtigkeit auszuliefern“, erklärte die 27-Jährige. Sie rechne mit einem Freispruch im Prozess. „Wäre ich verurteilt, wäre mein Leben schrecklich. Es wäre furchtbar, fliehen zu müssen. Während der vier Jahre in Haft bin ich um 40 Jahre gealtert“, sagte Knox.

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Nach der Rückkehr in die USA nach der Haft in Italien hatte sie erwartet, glücklich und heiter zu leben. „Ich dachte, dass sich Angst, Traurigkeit und Wut auflösen würden und dass ich ein glückliches Leben führen würde. Das war nicht so“, meinte Knox. Psychologische Beratung habe ihr nicht geholfen. „In Italien habe ich nur Negatives gelernt: Angst zu haben und den Menschen nicht zu trauen.“

Die US-Amerikanerin berichtete, sie denke stets an das Opfer Meredith Kercher. „Ich würde gern mit ihrer Familie ihr Grab besuchen. Ich möchte, dass die Familie begreift, dass ich unschuldig bin.“ (APA)


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