Zeiler wünscht sich unabhängige Medien und Politiker

„Es fehlt vielen Politikern an Selbstbewusstsein, um sich der Medienmaschinerie zu stellen“, sagte Zeiler.

Wien - „Starke Medien, die unabhängig sind und nicht am Gängelband der Politik hängen“ und „starke Politiker, die unabhängig sind und nicht am Gängelband von Medien sind“, wünschte sich Turner International-Chef Gerhard Zeiler am Mittwoch bei den Österreichischen Medientagen. Mediale Inszenierung von Politik gehöre heute zum Geschäft, ein Problem sei es hingegen, dass manche Politiker Angst hätten, ihre Meinung gegen medialen und öffentlichen Gegenwind zu vertreten. Als Beispiel nannte der frühere ORF-Generalintendant und RTL-Boss die Europapolitik.

„Es fehlt vielen Politikern an Selbstbewusstsein, um sich der Medienmaschinerie zu stellen“, sagte Zeiler. Konkrete Politikernamen nannte der Turner-Manager nicht, da er in Österreich niemandem auf die Füße treten wolle. Als positives Beispiel führte Zeiler, der einst in der SPÖ tätig war, aber den früheren ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel an. „Persönlich war Schwarz-Blau nicht das, was ich mir gewünscht habe, und es ging auch viel in die falsche Richtung, aber in einem habe ich Respekt vor Schüssel: er hat oft Nein zu den Medien gesagt. Das würde ich mir von anderen Politikern auch wünschen.“

Dass sich Politiker über Medien beschweren bringe wenig und gehe am Thema vorbei. „Das kennen wir schon. Politiker müssen einfach ihre Arbeit tun und darüber reden und das, wovon sie überzeugt sind, jeden Tag an den Mann und an die Frau bringen.“ Die Fülle an Wahlkonfrontationen im österreichischen Wahlkampf fand Zeiler in ihren Möglichkeiten für die Wähler „fantastisch“. Hier sei Österreich viel weiter als Deutschland, wo es nur ein Kanzler-Duell gab.

Für das Fernsehen brach der TV-Manager bei der vom Manstein Verlag organisierten Veranstaltung erwartungsgemäß eine Lanze. „Es hat noch nie so viel und so viel gutes Fernsehen gegeben wie heute“, so Zeiler. Imagemäßig habe es Fernsehen aber schwerer. „Das Medium Buch hat einen moralischen Heiligenschein, beim Fernsehen ist es genau umgekehrt.“ Dabei seien in den vergangenen Jahren vor allem bei US-amerikanischen Pay-TV-Sendern, in England und Skandinavien interessante Programminnovationen und neue Erzählformen entwickelt worden. Wichtig sei das Finden einer eigenen Positionierung, wie etwa „beim österreichischen ‚Tatort‘, den man sich heute in Österreich nicht nur gerne anschauen kann, sondern auf den man auch in Deutschland stolz sein kann“. (APA)

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