Blutbad in Einkaufszentrum war von langer Hand geplant

Laut Informationen der „New York Times“ wurde der Anschlag wochenlang in Somalia vorbereitet. Die Attentäter sollen über genaue Lagepläne verfügt haben.

Nairobi - Der Anschlag auf das Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi ist nach Informationen der „New York Times“ wochenlang vorbereitet worden. Die Attentäter hätten in Somalia für den Überfall trainiert, in dem Einkaufszentrum zuvor Waffen deponiert und mit Komplizen in der Westgate Shopping Mall zusammengearbeitet, berichtet die Zeitung in ihrer Mittwoch-Ausgabe unter Berufung auf US-Regierungskreise. So hätten sie in dem Gebäudekomplex auch ein Maschinengewehr untergebracht, das dann gegen die kenianischen Sicherheitskräfte eingesetzt wurde.

Die Attentäter verfügten dem Bericht zufolge über genaue Lagepläne des Einkaufszentrums und kannten beispielsweise die Luftschächte. „Sie hatten im Inneren Komplizen, sie hatten Material vor Ort“, sagte ein US-Regierungsvertreter dem Blatt. Es habe auch Attentäter gegeben, die über Wechselkleidung verfügten und als Zivilisten getarnt in dem Tumult entkommen konnten.

Mehr als 130 Tote?

Die Attentäter waren am Samstagmittag in den Gebäudekomplex vorgedrungen. Sie verschanzten sich mit Geiseln in dem Gebäude. Erst am Dienstagabend konnte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta das Geiseldrama für beendet erklären. Insgesamt gab es mindestens 72 Tote, nach Angaben der islamistischen Shabaab-Miliz, die sich als für den Anschlag verantwortlich bekannte, jedoch sogar 137.

Experten suchten in dem teilweise eingestürzten Einkaufszentrum weiter nach Verschütteten. Kriminaltechniker durchkämmten am Mittwoch den Komplex, in dem sich die Täter vier Tage lang verschanzt hielten. Die kenianischen Experten wurden dabei von Fachleuten aus dem Ausland unterstützt. Auch Mitarbeiter des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) sollten bei der Identifizierung der Getöteten helfen.

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Mehrere Ausländer unter den Toten

Aus dem Gebäude stieg auch am Mittwoch noch Rauch auf. Die genaue Zahl der Toten blieb vorerst unklar. Innenminister Joseph ole Lenku sagte, er gehe davon aus, dass nur noch Leichen von Angreifern gefunden würden. Die Al-Shabaab-Miliz machte die kenianischen Soldaten für den Tod der Menschen verantwortlich, weil bei der Stürmung Giftgas eingesetzt worden sei. In dem Gebäude stürzten bei mehreren Explosionen drei Stockwerke ein. Unter den Toten befinden sich mehrere Ausländer, darunter Diplomaten aus Kanada und Ghana.

Nun gehe es darum, die Identität der Täter zu klären, sagte ein Mitarbeiter des kenianischen Krisenzentrums. Dazu würden DNA-Proben der mutmaßlichen Angreifer genommen. Neben Deutschland entsandten Innenminister Lenku zufolge auch die USA, Israel, Großbritannien und Kanada Experten. Fünf Angreifer wurden nach offiziellen Angaben getötet, elf Personen wurden in Zusammenhang mit dem offensichtlich sorgfältig vorbereiteten Überfall festgenommen. Ob sich darunter auch Angreifer befinden oder ob die Festgenommenen bei der Vorbereitung geholfen haben sollen, blieb zunächst unklar.

US-Bürger unter Angreifern

Geheimdienstinformationen zufolge sollen auch Amerikaner und eine Britin unter den Angreifern gewesen sein. Ein Brite somalischer Herkunft wurde bei der Ausreise aus Kenia verhaftet, er sei aber für die Ermittlungen „nicht von besonderem Interesse“, sagte der britische Botschafter in dem ostafrikanischen Land. US-Justizminister Eric Holder erklärte, derzeit gebe es keinen Beweis dafür, dass US-Bürger unter den Angreifern gewesen seien.

US-Präsident Barack Obama, dessen Vater aus Kenia kommt, sagte, er glaube weiter daran, dass das Land ein Stabilitätsanker in der Region sein werde. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wertete die Tat als Beleg für die weltweiten Gefahren durch Terrorismus. (APA/Reuters)


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