Sparprogramm: RZB streicht bei Töchtern jede zehnte Stelle

Die Bank kappt radikal teure Doppelgleisigkeiten. Was nicht Kerngeschäft ist, wird intern ausgelagert, also zentralisiert.

Wien - Bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Beteiligungsbank der Raiffeisen-Geldgruppe, wird der Sparstift angesetzt. Die RZB kauft derzeit die Landesbanken aus vier bisher gemeinsamen Töchtern aus, nämlich Bausparkasse, Kapitalanlagegesellschaft, Wohnbaubank und Factor Bank. Beim Leasing ist das schon erledigt. In insgesamt acht Spezialgesellschaften sind zusammen 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Ziel ist es, 25 Millionen pro Jahr zu sparen und mindestens 10 Prozent der Stellen einzusparen, sagt RZB-Vorstand Johannes Schuster. Der Abbau von 120 Posten gilt als Untergrenze.

Bis zu 500 Leute „wandern“

Die Bank kappt radikal teure Doppelgleisigkeiten. Was nicht Kerngeschäft ist, wird intern ausgelagert, also zentralisiert. Gleiche Aufgaben werden an gleicher Stelle getätigt. So werden alle Marketing-Agenden der „Verbundtöchter“ (Spezialgesellschaften) bei der RZB zusammengelegt. Gleiches gilt für Presseabteilungen. Marketing- und PR-Leute der Töchter sind künftig auf der Payroll der RZB. Auch Personalabteilungen werden die Einzelfirmen nicht mehr führen. Das passiert nur mehr in der Raiffeisen Bank International (RBI). Gleiches gilt für IT, die die meisten Töchter selber haben, sowie für Rechtsabteilungen, Controlling, Treasury oder Asset Management, wobei letztes bei der KAG konzentriert wird. Alle „klassischen Stabsfunktionen“ sind betroffen.

„Neu zugeordnet“ würden so 400 bis 500 Mitarbeiter. Klar sei, das es hier „nicht zu den großen Hurra-Schreien kommt“, weiß Schuster. Dass man auf dem Weg auch die eine oder andere Spitzenkraft verlieren wird, ist dem Vorstand bewusst. „Veränderung bringt Reisende mit sich“. Härten gelte es zu vermeiden.

Rationalisierungsprogramm

Das Rationalisierungsprogramm läuft vorerst bis 2017. „Bei uns passiert im Kleinen, was in der Raiffeisen Bank International im Großen passiert“, sagte Schuster. Es werde an allen Schrauben gedreht. Schuster sprach am Mittwochabend vor Journalisten von der größten „Outsourcingwelle“ seit zwölf Jahren. Ab Juli 2014 werde man so weit sein, die ersten Dienstnehmer arbeitsrechtlich zu transferieren.

Da geht es auch um interne Betriebsübergänge. Für einige Betroffene sind damit Verschlechterungen zu erwarten: Wer in einer Tochter heute zum Banken-Kollektivvertrag arbeitet, obwohl damit keine Banktätigkeit verbunden ist, soll in den Gewerbe-KV wechseln, im Fall von Technikern in den IT-KV. Man werde strikt nach den Bestimmungen des Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetzes operieren. Ein Schicksal wie die AUA bei ihrem umstrittenen Betriebsübergang will man sich jedenfalls ersparen. „Es geht hier um einvernehmliche Lösungen“, so der Vorstand. Ab Oktober ist eine Arbeitsrechtlerin dafür abgestellt.

Bei den Stellenstreichungen will der Vorstand ohne Kündigungen auskommen. Man hoffe, mit natürlicher Fluktuation - bei den Töchtern erfahrungsgemäß 7 bis 8 Prozent pro Jahr - zurande zu kommen. Um das zu schaffen, würden seit längerem Nachbesetzungen vorwiegend intern erfolgen.

Redimensionierung der Töchter?

Seit dem Sommer wurde allen Töchtern ein „Strategiecheck“ verordnet. Nach fünf Jahren Krise sei es, so Schuster, an der Zeit gewesen, den Aufbau der Bundesebene kritisch zu hinterfragen. Denkbar sei, dass bei einigen dieser Produkttöchter eine „Redimensionierung“ herauskomme - also Bilanzsumme bzw. Umsatz schrumpfen.

An die 10 Mrd. Euro Bilanzsumme wandern zur RZB, wenn das Sektorspitzeninstitut - dessen mit Abstand größte Tochter die börsenotierte RBI ist - den Landesbanken bis 2014 gemeinsame Töchter abkauft. Zum Preis sagte der Vorstand nichts, außer „gute Freunde, strenge Rechnung.“ Die Kapitalquote der RZB-Gruppe sinkt mit den Zugängen um 0,2 Prozentpunkte.

Rein technisch verspricht sich die RZB schon Kostenersparnisse, wenn sechs der insgesamt acht Verbundtöchter bis 2015 an einen neuen gemeinsamen Bürostandort in der Muthgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk übersiedeln. Dort wird der bestehende Bürokomplex, wo bisher schon tausend Leute der Gruppe arbeiten (darunter die IT der RBI), für 2500 Leute ausgebaut. Bisher waren die betroffenen Firmen auf acht Standorte in Wien aufgeteilt. Damit werden dann automatisch Dienste wie Hausverwaltung oder Portiere „fusioniert“. Die RZB selber hat als Steuerungsholding nur 100 Beschäftigte. Sie bleibt am Hauptsitz am Stadtpark. (APA)


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