283 Euro für Lebensgefahr

Beim Amoklauf des niederösterreichischen Wilderers wurde erstmals ein Cobramann getötet. Die Polizei-Eliteeinheit rückt in den Fokus.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Polizisten im Außendienst leben damit, dass jeder Einsatz ihr letzter sein könnte. Das gilt vor allem für die Männer der Eliteeinheit Cobra, die zu besonders brenzligen Fällen hinzugezogen werden. Der Wilderer von Niederösterreich tötete vier Menschen: zwei Streifenpolizisten, einen Rot-Kreuz-Sanitäter und einen Cobramann. Es war in der Geschichte der Eliteeinheit der erste Beamte, der im Einsatz sein Leben lassen musste. Im Zuge der Causa kam massive Kritik am Einsatz der Cobra auf. Doch ein weiterer Aspekt fließt in die Debatte ein: die Höhe der Gefahrenzulage, für die die Polizisten ihr Leben riskieren. Ein Cobrabeamter hat die gleiche Gefahrenzulage und das gleiche Grundgehalt wie ein Polizeibeamter ohne Sonderausbildung. Laut Hermann Greylinger von der Polizeigewerkschaft beläuft sich die Gefahrenzulage auf 282,40 Euro brutto im Monat. Das Grundgehalt eines Polizeibeamten im ersten Jahr beträgt 1578,30 Euro brutto. Dazu kommen Zulagen, die ein Drittel des Einkommens ausmachen, aber bei Krankheit nicht anfallen. „Schon seit Jahren kämpfen wir dafür, dass das Grundgehalt der Polizeibeamten und die Gefahrenzulage erhöht werden“, so der Gewerkschafter.

Harald Gonner, Chef der Tiroler Cobra, erklärt, dass Eliteeinheiten in anderen Ländern eine besondere Zulage erhalten. Er hält es aber nicht für ungerecht, dass Cobraleute den Streifenpolizisten in Österreich gleichgestellt sind. „Auch der Polizist auf der Straße ist gefährdet, weil er zumeist als Ersteinschreiter fungiert“, sagt Gonner. Dem Vorwurf, die Cobra werde krankgespart, kann er nichts abgewinnen. „Wir sind gut ausgerüstet. Vier Wärmebildkameras in Österreich sind ausreichend.“ Gonner kommandiert bis zu 50 Cobraleute in Tirol. Unter seinen Männern herrsche tiefe Betroffenheit. Der Polizeieinsatz in Niederösterreich müsse jetzt evaluiert werden. Laut Gonner ist die Hauptmotivation für Cobramänner das vielfältige Aufgabenfeld. Die Tiroler Cobraleute rücken durchschnittlich pro Jahr bei bis zu 100 Einsätzen aus. Vielfach unterstützen sie Streifenpolizisten bei der Festnahme von Tätern, die als gefährlich gelten. Die Eliteeinheit ist auch für den Personenschutz und die Sicherung von Flügen in gefährdete Destinationen zuständig.

Immer wieder werden die Männer (österreichweit gibt es zwei Frauen) im Ausland aktiv. So war die Cobra bei einer Geiselbefreiung in Algerien beteiligt und nach dem Reaktorunfall von Fukushima im Einsatz. Betroffen ist Gonner von der Brutalität des Wilderers: „Selbst im Krieg gibt es Gesetze. Dass ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter erschossen wird, war bisher unvorstellbar.“

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