WM-Gastarbeiter werden in Katar wie Sklaven gehalten

Einem Bericht des „Guardian“ zufolge werden die Arbeiter aus Nepal, Indien und Sri Lanka schamlos ausgebeutet. Viele seien bereits vor Erschöpfung gestorben.

Doha – Die WM in Katar findet erst in acht Jahren statt, doch die Kritik an dem Turnier in dem Golfemirat reißt nicht ab. Waren es bisher die Vergabepraxis, die hohen Temperaturen bzw. die geplante Ausrichtung im Winter, die für Aufsehen sorgten, geht es diesmal um Leben und Tod.

Die britische Zeitung „Guardian“ berichtet in ihrer Onlineausgabe über die verheerenden Bedingungen für Gastarbeiter, die vor allem aus Nepal, Indien und Sri Lanka stammen. Zwischen Anfang Juni und Anfang August sollen laut „Guardian“ 44 Arbeiter aus Nepal gestorben sein. Mehr als die Hälfte davon erlitt Herzstillstände aufgrund von Temperaturen um die 50 Grad und der ständigen körperlichen Überbelastung.

Gewerkschaftsbund rechnet mit bis zu 4000 Toten

Sollte es so weitergehen, könnte die WM „bereits vor dem Beginn im Jahr 2022 die Leben von rund 4000 Gastarbeitern fordern“, warnte der Internationale Gewerkschaftsbund (ITUC). Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen die Baufirmen, die insgesamt bis zu 500.000 Arbeiter aus dem Ausland rekrutiert haben. Laut ITUC würden die Betroffenen wie Sklaven ausgebeutet. Viele hätten seit Monaten keinen Lohn bekommen, die Trinkwasserversorgung sei mangelhaft.

„Wir wollen weg, aber die Firma lässt uns nicht“, zitiert der „Guardian“ einen nepalesischen Zuwanderer, der auf der Megabaustelle des Lusail-Projekts arbeitet. In dem Gebiet nördlich der Hauptstadt Doha soll eine neue Stadt samt Stadion entstehen. „Wir sind hilflos. Ich bereue es, hier hergekommen zu sein, aber was sollen wir machen“, sagte der verzweifelte Mann.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Regierung will Anschuldigungen prüfen

Die Regierung Katars hat inzwischen nach Angaben des WM-Organisationskomitees angekündigt, die Anschuldigungen prüfen zu wollen. „Wie jeder sind wir entsetzt über den Guardian-Bericht“, ließ das Komitee verlauten. „Die Gesundheit, die Sicherheit, das Wohlergehen und die Menschenwürde jedes einzelnen Arbeiters an den WM-Vorbereitungen ist für unser Komitee von äußerster Wichtigkeit.“

Rund 30 nepalesische Gastarbeiter waren jüngst in die Botschaft ihres Heimatlandes geflüchtet und hatten von den Zuständen auf den WM-Baustellen berichtet. Dabei handelt es sich offenbar nicht um Einzelfälle. Die indische Botschaft in Katar vermeldete 82 getötete indische Gastarbeiter in den ersten fünf Monaten dieses Jahres und 1460 Beschwerden über unwürdige Arbeitsbedingungen. (tt.com, APA)


Kommentieren


Schlagworte