Walzenabsturz: Bauleiter haften für Todesfahrt

Auf einer BBT-Baustelle in Steinach verunglückte im April 2011 ein Walzenfahrer tödlich. Die beiden Bauleiter wurden zu Geldstrafen verurteilt.

Innsbruck - Mit zwei Verurteilungen und drei Freisprüchen – alle noch nicht rechtskräftig – endete am Donnerstag am Landesgericht Innsbruck der Prozess um den Absturz einer Straßenwalze auf einer Baustelle des Brennerbasistunnels in Steinach. Der 48-jährige Fahrer war bei dem Unfall im April 2011 getötet worden.

Der fahrlässigen Tötung angeklagt waren fünf Männer, vom Planungskoordinator bis hin zu zwei Bauleitern. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, teils wider besseres Wissen nicht alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen zu haben. Genau diese Verfehlung lastete auch die Richterin letztlich den beiden Bauleitern an und verurteilte sie zu unbedingten Geldstrafen von je 8880 Euro. Der Verteidiger meldete sofort volle Berufung gegen das Urteil an. Den Schuldspruch begründete die Richterin damit, dass die Bauleiter es unterlassen hätten, auf die durch den Baustellenkoordinator aufgezeigten Mängel zu reagieren. Dieser habe in den Protokollen nach seinen Besichtigungen mehrfach auf fehlende Absturzsicherungen hingewiesen. „Aber hinsichtlich der Absturzsicherungen haben Sie keine Maßnahmen umgesetzt“, warf die Richterin den Bauleitern vor. Welche Maßnahmen genau, ließ sie dabei offen. In dem Verfahren war mehrmals lebhaft über mögliche Sicherungsmaßnahmen gestritten worden. Der Gerichtssachverständige hatte die Montage von Leitschienen vor der Asphaltierung bzw. eine Seilsicherung für die Walze angeführt. Vorschläge, die von der Verteidigung wortwörtlich als „Topfen“ bezeichnet wurden. Aussagen von Zeugen aus dem Straßenbaubereich sollten diese Sichtweise untermauern.

Die drei weiteren Angeklagten – der Baustellenkoordinator, der Planungskoordinator und der angebliche Projektleiter – konnten über Freisprüche aufatmen. Beim Projektleiter dürfte es sich auch aus Sicht der Richterin um die fälschliche Zuschreibung einer Funktion gehandelt haben, die er formal nie übernommen habe. Auch die Planungskoordination hatte nicht der Angeklagte, sondern dessen Chef inne, dem kein Vorwurf zu machen gewesen sei. Der Baustellenkoordinator habe zwar ein Protokoll zu spät übermittelt, darin aber nicht zum ersten Mal die Mängel aufgezeigt. (cm)


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