Gasexplosion macht Gemeinde zu Geisterort

Bei einer Gasexplosion in Rheinland-Pfalz werden 16 Feuerwehrleute verletzt, acht von ihnen schwer. Weil weitere Explosionsgefahr besteht, wird das gesamte Dorf evakuiert. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus, der Schaden geht in die Millionen.

Ludwigshafen - Nach einer heftigen Gasexplosion am frühen Samstagmorgen ist aus dem kleinen Dorf Harthausen im Rhein-Pfalz-Kreis innerhalb weniger Stunden ein Geisterort geworden. Die 3000 Einwohner sind zu Bekannten oder in eine Halle im Nachbarort geflüchtet. Am Samstag ist zunächst noch völlig unklar, wann die Menschen wieder zurück in ihre Häuser dürfen.

Polizei und Feuerwehr befürchteten, dass ein weiterer Gastank explodieren könnte, deshalb ist die Evakuierung angeordnet worden. Polizeiwagen fahren durch die leeren Straßen. Die Beamten passen auf, dass Einbrecher und Diebe die Situation nicht ausnutzen - zumal einige Fenster und Türen von der heftigen Druckwelle der Explosion beschädigt worden sind.

16 Feuerwehrleute sind bei der Explosion verletzt worden, acht von ihnen schwer. Mindestens ein Feuerwehrmann wurde auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht. Lebensgefahr besteht laut Polizeiangaben nicht. Die Hitze hat ihnen die Haut verbrannt und die Atemwege verletzt. Der Schaden geht in die Millionen.

„Die Einsatzmaßnahmen werden auf jeden Fall noch Stunden dauern“, sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Nachmittag bei einer Pressekonferenz. Der Polizist Jürgen Schmitt erzählt, man könne Brandstiftung nicht ausschließen. Es gebe „vage Hinweise“.

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Begonnen hat das Inferno, als fast alle im Dorf noch schlafen. Am frühen Morgen wird die Feuerwehr aus Dudenhofen zu einem Lastwagenbrand auf dem Firmengelände gerufen. Kurz nachdem die Brandlöscher eingetroffen sind, knallt es: Ein Gastank explodiert.

Der laute Knall ist noch in Ludwigshafen und Mannheim zu hören - die Städte sind jeweils 30 Kilometer entfernt. Die Druckwelle ist so stark, dass ein weiterer mit Flüssiggas beladener Tank durch die Wand einer 700 Meter entfernten Lagerhalle geschleudert wird - direkt daneben steht ein Wohnhaus. Ein anderer Tank wird 400 Meter weit in einen Acker geschleudert. Weitere Tanks auf dem Gelände der Gasfirma beginnen zu brennen.

Rasend schnell breitet sich das Feuer zu einem Flächenbrand aus - Großalarm wird ausgerufen. Notärzte kümmern sich um die Verletzten und bringen sie ins Krankenhaus. Die Polizei sperrt den Unglücksort weiträumig ab. Insgesamt werden 450 Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte alarmiert.

Zunächst soll ein Bereich von 500 Metern rund um den Brandort evakuiert werden. Dann entscheidet die Einsatzleitung eine Evakuierung im Radius von 1000 Metern: Das ist der gesamte Ort.

Die Gemeinde richtet ein Bürgertelefon ein. „Die Leitungen glühen“, sagt eine Mitarbeiterin am Mittag. Die Bewohner wollen meistens wissen, wie genau nun die Evakuierung laufe und wann sie zurück in ihre Häuser dürften.

Die Frage der Rückkehr kann am Samstag zunächst noch niemand beantworten. Immer noch sprüht aus dem defekten Tank auf dem Acker Gas. Es soll kontrolliert abgebrannt werden. Orts-Bürgermeister Harald Löffler ist fassungslos: „Ich nenne das eine Katastrophe.“

Nach den bisherigen Erkenntnissen wird die Evakuierung mindestens die Nacht über andauern. „Bei allem Unglück hat Harthausen noch Glück gehabt“, sagte der Landrat Clemens Körner. (APA/dpa)


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