Eine literarische Abrechnung

Ich bin immer für eine Schlagzeile gut. Warum dann nicht auch gleich für ein ganzes Buch?! Ein Gedankengang, der offenbar immer mehr Stars und Sternchen durch den Kopf geht. Ob Justin Bieber, Arnold Schwarzenegger oder Katie Price – die Liste derer, die in einem Buch über ihr mehr oder weniger spannendes Leben auspacken, wird nämlich immer länger und länger. So manch einer nutzt die literarische Premiere außerdem noch zu einem persönlichen Rachefeldzug.

Berlin, Los Angeles – Besonders tief in die Skandalkiste hat aktuell Boris Becker gegriffen. Wie berichtet, bringt das Bobbele nächste Woche seine bereits zwei Biografie („Das Leben ist kein Spiel“) auf den Markt und rechnet dabei mit einigen Damen aus seiner Vergangenheit ab. So sei es seiner Kurzzeitverlobten Sandy nur um die Aufmerksamkeit gegangen und in der Beziehung mit Ex-Frau Barbara sei es mitunter sogar zu eskalierenden Streitigkeiten gekommen. Und auch die Affäre mit Angela Ermakowa, über die er einst kein Wort verlieren wollte, wird jetzt in aller epischen Breite behandelt. Samt einer Erklärung für den Seitensprung. „Ich sehnte mich nach Liebe, Geborgenheit und Intimität. Und wenn man das zu Hause nicht bekommt, dann kann es passieren, dass man sich das woanders nimmt, wenn sich die Gelegenheit bietet.“

Ob Plaudereien aus dem Nähkästchen jetzt verwerflich sind oder nicht – ja, das muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist aber, dass sie für die Promis äußerst lukrativ sind. Immerhin gehen die Star-Biographien weg wie die warmen Semmeln und ein Ende des Booms ist (noch) nicht in Sicht. Und wenn es dem VIP-Geldbörserl gutgeht, kann man auch gewisse Misstöne leichter überhören. Denn diese sind ob der meist pikanten Enthüllungen so sicher wie das Amen im Gebet. Becker sollte sich also schon einmal bei einigen Kollegen gute Tipps holen.

Möglich wäre dies bei Regisseur Dieter Wedel, der 2010 mit „Vom schönen Schein und wirklichen Leben“ für Aufregung sorgte. Vor allem bei Hannelore Elsner, die diesbezüglich sogar vor Gericht ging. Die Schauspielerin, mit der Wedel vor mehr als 30 Jahren liiert war, setzte schließlich eine einstweilige Verfügung gegen Teile des Buches durch. Bei den Passagen handle es sich um „eine unerträgliche Melange aus Unwahrheiten und Indiskretionen“, erklärte Elsner Anwalt einst. Und auch im Fall von Dieter Bohlen und seinem „Nichts als die Wahrheit“-Werk gab’s Ärger. Grund: Bohlen hat in dem 2002 erschienenen Buch seine ehemaligen Partnerinnen ins Visier genommen. Ex-Frau Verona Pooth (vormals Feldbusch) und Ex-Freundin Nadja „Naddel“ Abd el Farrag ärgerten sich daraufhin öffentlich und ausgiebig.

Doch nicht nur bei unseren Nachbarn im Norden geht’s literarisch rund: aktuell teilt „Backstreet Boy“ Nick Carter in den USA ordentlich aus. In „Facing the Music und Living to Talk About It“ schimpft er beispielsweise auf seine Ex-Freundin Paris Hilton. „Paris war das Schlimmste, was mir passieren konnte.“ Keith Richards wiederum lästerte in „Life“ (2010) über Bandkollegen Mick Jagger und plauderte ungeniert intime Geheimnisse aus. Was folgte war eine kurze Sendepause zwischen den beiden Herren. Mit gleich mehreren Promis legte sich hingegen Drehbuchautor Joe Eszterhas („Basic Instinct“) an. In „American Rhapsody“ zog er über Michael Douglas und Richard Gere her. Besonderes Augenmerk legte er aber auf Sharon Stone. Den Trick mit der vergessenen Unterwäsche habe sie auch im richtigen Leben draufgehabt, schildert es Eszterhas in Anspielung auf eine Szene aus „Basic Instinct“.

Enthüllungen, die es in sich haben – und von denen es wohl auch künftig viele geben wird. Anschließende Gerichtsprozesse inklusive. (dpa, kew)


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