Bombenserie in nordirakischer Kurden-Stadt Erbil: Mindestens sechs Tote

Gut eine Woche nach der Parlamentswahl erschüttern die schlimmsten Anschläge seit Jahren die kurdische Autonomieregion im Nordirak.

Erbil – Nach Polizeiangaben explodierten am Sonntag mehrere Autobomben vor Gebäuden der Sicherheitsbehörden in der Stadt Erbil (Arbil). Mindestens sechs Menschen kamen demnach ums Leben, 40 weitere wurden verletzt. In der Stadt wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Im Kurdengebiet war es seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein im Jahr 2003 per US-geführter Invasion im Vergleich zum Rest des Landes friedlich. Eine der wohl heftigsten Terrorattacken gab es dort im Februar 2004. Damals rissen zwei Selbstmordattentäter in den Hauptquartieren der Kurden-Parteien KDP und PUK in Erbil 117 Menschen mit in den Tod. Zwischen den Kurden und der Zentralregierung in Bagdad gibt immer wieder Konflikte - wegen kurdischer Gebietsansprüche sowie der Förderung von Öl und Gas in umstrittenen Regionen.

Kurz vor der Terrorserie waren die offiziellen Ergebnisse der vor einer Woche abgehaltenen Parlamentswahl verkündet worden. Demnach ging die Partei von Autonomiepräsident Massoud Barzani als klarer Sieger aus der Abstimmung hervor. Die Kurdische Demokratische Partei (KDP) erhielt mit Abstand die meisten Stimmen, wie die oberste Wahlkommission mitteilte.

Zweitstärkste politische Kraft wurde erstmals die Gorran-Partei, die den Kampf gegen Korruption zum Wahlkampfthema gemacht hatte. Eine bittere Niederlage musste die Patriotische Union Kurdistans (PUK) hinnehmen, die bisher gemeinsam mit der KDP regiert hat.

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Der ehemalige kurdische Regierungschef Barham Salih (PUK) bedauerte im Kurznachrichtendienst Twitter die „schmerzlichen Verluste“ für seine Partei. Nach Salihs Angaben kommt die KDP im 111-köpfigen Parlament nun auf 38 Sitze, die Gorran-Partei auf 24 und die PUK auf 17 Mandate. Auch zwei islamistische Parteien konnten Sitze erringen.

Seit 1991 ist der kurdische Norden des Iraks weitgehend autonom. Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 wurde offiziell der Zusammenschluss der drei Nordprovinzen zum Autonomiegebiet „Kurdistan des Iraks“ erklärt. Die kurdische Regierung hat ihren Sitz in der Stadt Erbil. (APA/dpa)


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