Familie wartet auf grünes Licht

Die erste von drei Familien, deren Haus auf einer Rietzer Altdeponie gebaut wurde, ist ausgezogen. Noch steht nicht fest, wann das Haus saniert werden kann.

Von Matthias Reichle

Rietz –Nachdem der Garderobenschrank abtransportiert war, zeigten sich die Spuren der Setzung besonders deutlich. Wie Würmer kriechen die Risse dahinter parallel über die Wand. Auch die Treppe hinauf in den 1. Stock sieht inzwischen so aus, als würde sie bald auseinanderbrechen. Oben im Wohnzimmer zeigt Dietmar Sonnweber auf einen Riss oberhalb des Fensters. „Der war bereits öfter auf Fotos in der Zeitung“, betont er. Inzwischen ist er fast fingerdick.

Im Haus der Familie gibt es nur noch wenige ebene Flächen. Der Boden neigt sich in alle Richtungen, das Haus versinkt. Momentan liege man bei 3,5 Prozent Gefälle.

Entstanden sind diese Schäden aufgrund der Altdeponie, auf der das Reihenhaus der dreiköpfigen Familie gebaut wurde – die Tiroler Tageszeitung hat berichtet. Im Jänner haben die Hausbesitzer den Rechtssteit gegen die Gemeinde in zweiter Instanz gewonnen. Die öffentliche Hand muss die Sanierung zahlen.

Am Wochenende ist die Familie nun ausgezogen. „Ich habe mich nicht mehr sicher gefühlt“, betont Dietmar Sonnweber. Den Räumungsbescheid, den die Gemeinde für das Haus ausgestellt hatte, hat die Familie zuletzt noch bekämpft. Nun will sie nicht länger bleiben und geht freiwillig.

Seit einem Jahr spüre man die Veränderungen besonders deutlich, erklärt seine Lebensgefährtin Helma Kranebitter. Vor dem letzten Winter wurden alle Risse zugegipst. Alle Schäden, die jetzt an den Wänden deutlich zu Tage treten, sind also frisch.

Und trotzdem weiß man derzeit nicht, ob man demnächst mit den notwendigen Arbeiten beginnen könne. Seit dem 3. Mai wartet die Familie nämlich darauf, dass die Gemeinde Rietz die Sanierung bewilligt. Zunächst forderte sie Antworten auf einen umfangreichen Fragenkatalog ein, erinnert Kranebitter. Die wurden Anfang August eingereicht. Nun steht der Winter vor der Tür. Und die Sanierungskosten dürften weiter steigen, fürchtet Sonnweber. Innerhalb eines Jahres ist das Haus um weitere 25 Millimeter abgesackt.

Bürgermeister Gerhard Krug beruft sich auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung auf das laufende Verfahren: „Wir haben Sachverständige beauftragt. Die Sanierung wird von Gutachtern geprüft. Ich kann jetzt keinen Zeitrahmen für die Sanierung stecken.“ Grundwasser, Geologie, benachbarte Rechte – alles werde unter die Lupe genommen. „Es ist eine komplexe Geschichte“, so der Dorfchef. Den Vorwurf, dass die Gemeinde an der Verzögerung schuld sei, hält er für falsch. Man hätte im Jänner einreichen können.

Sonnweber, Kranebitter und ihr Anwalt Thomas Girardi fürchten nur eine Verteuerung der Sanierung. „Die Mehrkosten muss man wieder einfordern“, fürchtet der Rechtsvertreter. „Das Haus verschlechtert sich laufend.“ Auch eine zweite Familie, die Familie Mittelberger, denkt bereits ans Ausziehen. Man werde den Beginn der Heizperiode abwarten. „Es ist nicht mehr fein im Haus.“


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