Ein Kreuz in Bewegung

Es ist wohl das „jüngste“ Gipfelkreuz Tirols – jenes auf der Ganderbildspitze oberhalb von Nauders. Die Tour ist dank Liftunterstützung nicht anstrengend, die Ausblicke: grandios.

Von Irene Rapp

Nauders –Seit über 20 Jahren ist Karl Klinec Leiter der Bergrettungs-Ortsstelle in Nauders. 41 Mann groß ist sein Einsatztrupp – nein, nicht ganz –, auch eine Bergretterin befindet sich darunter. Zahlreiche Einsätze stellen das Team immer wieder vor neue Herausforderungen. „Zum Glück ist aber noch nie etwas Gröberes dabei passiert“, kann Klinec berichten. Als Dank dafür und weil das auch weiterhin so bleiben soll, beschloss die Bergrettung, auf der Ganderbildspitze (Ötztaler Alpen/Nauderer Berge) oberhalb von Nauders ein Gipfelkreuz zu errichten.

Aber kein ganz normales, wie jeder erkennen kann, wenn er den 2863 Meter hohen Gipfel erklommen hat. Denn die Erhebung ist in Anlehnung an das Bergrettungs-Symbol – Edelweiß auf grünem Kreuz – errichtet worden. Aber auch das stimmt nicht ganz: Denn „wir wollten nichts Starres“, sagt Klinec – daher wurde die vertikale Erhebung des Kreuzes wie dahinfließend gebaut.

Angaben zur heutigen Tour

Anfahrt. Durch den Landecker Tunnel Richtung Pfunds, dann Richtung Nauders. Durch den Ort fahren, auf der linken Seite auf den großen Parkplatz der Nauderer Bergbahnen.

Nauderer Bergbahnen. Bis 13. Oktober geöffnet (9-12 und 13-16 Uhr, letzte Talfahrt 16.40 Uhr). Berg- und Talfahrt 6,50 Euro. Für Regio-Kard-Besitzer kostenlos.

Eindrücke zur Tour. Eine unkomplizierte Wanderung in prächtiger Kulisse, vor allem, wenn man die Pedrossscharte erreicht hat – dann ist Gipfelzählen angesagt. Trittsicherheit auf den letzten Metern erforderlich. Fernglas nicht vergessen: Am vergangenen Wochenende entdeckte man viele Steinböcke. Gehzeit für die rund 700 Höhenmeter und fünf Kilometer bis zum Gipfel: 2 bis 3 Stunden.

Abstieg: auf dem Aufstiegsweg retour. Eine andere Möglichkeit weiß Karl Klinec (Bergrettung Nauders): Vom Mataunkopf über das Saletztal und die Piengalm zurück zur Bergstation. Für Ambitionierte: Zur Bergstation kann man auch mit dem Mountainbike fahren.

Eingeweiht wurde das Werk erst am 28. Juli 2013 – insofern kann es wohl als das „jüngste“ Gipfelkreuz in Tirol bezeichnet werden. Aber auch sonst haben Bergsteiger in diesem Gebiet viel zu schauen.

Wenn man die Bergkastelseilbahn bei der Bergstation verlässt, kann man nämlich besagtes Gipfelkreuz schon erkennen. Nur wenige Meter muss man gehen (dem Weg Nr. 20 zu den Goldseen folgen), dann hat man auch die Stätten der Wintersportanlagen hinter sich gelassen und taucht ein in eine herbstlich gefärbte Landschaft.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Zunächst geht es über gut markiertes Blockwerk mit zwei kleinen „Holzbrücken“, dann zu einem Marterl mit Marienbild. Immer leiser wird es, dann strebt man über mehrere Stufen – nie wirklich anstrengend – einem großen Geländekessel entgegen. Dort angekommen befindet man sich auf einer großen ebenen Fläche mit den zwei Goldseen zur Rechten, die man aufsuchen sollte. Zur Ganderbildspitze muss man sich jedoch links halten, das Pedrossjoch wird angepeilt. Zunächst an einer kleinen Lacke vorbei, dann über eine schottrige Rinne der Scharte auf 2810 Metern entgegen.

Erstmals wird es steiler, zudem befanden sich hier vergangenes Wochenende kleinere Schneereste – die allerdings kein Problem darstellten. Auf der Scharte mit Blick nach Süden heißt es, sich rechts halten. Und dann wird es noch einmal spannend: Denn nun geht es in seilversichertem Gelände die letzten Meter zum Bergrettungskreuz hoch. Der Anstieg erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, lohnt sich aber, wenn man am Fuße des neuen Kreuzes sitzt und den Rundumblick genießt.

Immerhin befindet man sich im Drei-Länder-Eck und die traumhaften Gipfel von Südtirol, der Schweiz und Nordtirol lassen den Blick schweifen. Dementsprechend verläuft auch die Grenze Italien/Österreich genau über den Gipfel. Wer es auf den letzten Metern aber nicht ganz so sportlich mag, der hält sich auf der Scharte links. Der Mataunkopf ist leicht zu begehen – und einige Meter höher ist er auch (2886 m).


Kommentieren


Schlagworte