Physik-Nobelpreis für Peter Higgs und Francois Englert

Der Brite und der Belgier werden für die Vorhersage des Higgs-Teilchens, auch „Gottesteilchen“ genannt, ausgezeichnet. Die Existenz des Bosons wurde erst kürzlich im Kernforschungszentrum Cern nachgewiesen.

Peter Higgs (r.) und Francois Englert, hier bei einer Pressekonferenz in Genf am 4. Juli 2012, wurde der Nobelpreis für Physik zugesprochen.
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Stockholm – Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Belgier François Englert und den Briten Peter Higgs für die Vorhersage des Higgs-Teilchens, das auch „Gottesteilchen“ genannt wird. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet 920.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. „Das ist ein Triumph, nicht nur für Higgs und Englert, sondern auch für die Teilchenphysik“, sagte Gunnar Ingelman von der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie.

„Der Preis wird in diesem Jahr für etwas sehr Kleines verliehen, das den ganzen Unterschied macht“, sagte Staffan Normark, Ständiger Sekretär der Wissenschaftsakademie. In der offiziellen Begründung hieß es, die Auszeichnung werde für die theoretische Vorhersage eines Mechanismus vergeben, der zum Verständnis der Masse subatomarer Partikel beitrage und der kürzlich durch die Entdeckung des vorhergesagten Teilchens mit den Detektoren „Atlas“ und „CMS“ am Europäischen Kernforschungszentrum Cern bestätigt worden sei.

Reaktion der Preisträger

Francois Englert, der am Telefon bei der Presskonferenz zugeschaltet war, sagte: „Ich fühle mich natürlich sehr wohl. Ich bin sehr glücklich.“ Auf die Frage, was er mit dem Preisgeld machen würde, antwortete der Belgier: „Ich weiß es noch nicht.“

Peter Higgs hat sich von der Entscheidung der Jury in Stockholm begeistert gezeigt. „Ich bin überwältigt, diesen Preis zu bekommen und danke der Königlichen Akademie in Schweden“, sagte Higgs nach einem von der Universität in Edinburgh verbreiteten Statement. „Ich möchte auch all denjenigen gratulieren, die zur Entdeckung dieses neuen Teilchens beigetragen haben“, betonte der 84-Jährige. Auch seiner Familie und Freunden dankte er für die Unterstützung. „Ich hoffe, dass diese Anerkennung für die Grundlagenforschung das Bewusstsein für den Wert des Forschens ins Blaue hinein schärft“, heißt es in der Aussendung. Higgs selbst war am Dienstag nicht zu erreichen.

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Er suchte offenbar das Weite. Selbst das Nobelpreiskomitee konnte ihn zunächst nicht erreichen, um ihm die frohe Botschaft telefonisch zu überbringen. Nur kurze Zeit nach der zweimal verschobenen Bekanntgabe war am Dienstag das Band seines Anrufbeantworters in seiner Wohnung in Edinburgh vollgelaufen. „Peter hat den Ruf, sehr scheu zu sein“, sagte sein Kollege Franz Muheim, Leiter des Instituts für Teilchen- und Nuklearphysik an der Universität Edinburgh, der Nachrichtenagentur dpa. „Er hat beschlossen, sich zurückzuziehen.“

Riesenjubel im Cern

Die Verkündung des Physik-Nobelpreises an Higgs und Englert hat am Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf Begeisterung ausgelöst. „Hier war ein Riesenjubel“, sagte die Teilchenphysikerin Kerstin Borras unmittelbar nach der Bekanntgabe am Dienstag. Weit über 100 Forscher hatten sich demnach im großen Foyer des Bürogebäudes am Cern in Genf verteilt und verfolgten live die Übertragung der Preisverkündung, die sich eine gute Stunde verzögert hatte.

Die Preisträger

Der Belgier Francois Englert wurde am 6. November 1932 in Etterbeek geboren. An der Universite Libre de Bruxelles promovierte er 1959 in Physik. Bis 1961 war er Assistenzprofessor an der Cornell University, wo er mit Robert Brout zusammenarbeitete. Danach kehrte er nach Brüssel zurück, wo er 1998 emeritierte. Robert Brout folgte ihm dort hin und starb am 3. Mai 2011 ebenda.

Peter W. Higgs wurde am 29. Mai 1929 im nordenglischen Newcastle geboren. 1954 graduierte er am King’s College London. Der Großteil seiner wissenschaftlichen Laufbahn verbrachte er an der Universität Edinburgh, wo er 1996 auch emeritiert wurde.

„Wir haben alle hier eine Stunde gewartet. Das war eine Superanspannung, die sich dann in einem Riesenapplaus löste“, erzählte Borras. „Es war natürlich nicht 100-prozentig klar, aber wir haben schon gehofft, dass die historische Entdeckung dieser Forscher gewürdigt wird.“ Dass kein Mitarbeiter des Cern mitaufgeführt war, sah Borras gelassen. „Es ist sehr schwierig, einen Cern-Wissenschaftler herauszuheben. Wir sind eine weltweite Forschergemeinde.“

Bekanntgabe zweimal verschoben

Die Akademie ließ sich bei ihrer Entscheidung Zeit und tagte länger, als viele erwartet hatten. Frühestens um 11.30 Uhr sollte die Pressekonferenz beginnen, am Ende war es 12.45 Uhr. „Ich möchte klarstellen, dass wir nur am heutigen Tag über die Preisträger beraten haben. Die Entscheidung fiel wirklich erst wenige Minuten vor der Pressekonferenz“, erklärte ein Mitglied der Akademie.

Am Mittwoch wird der Träger des Chemie-Nobelpreises bekanntgegeben, am Donnerstag der Träger für den Literatur- und am Freitag für den Friedens-Nobelpreis. Die feierliche Verleihung findet am 10. Dezember in Stockholm statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (tt.com, dpa)


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