Land und Kasse legen Gesundheits-Fahrplan fest

Der Patient soll profitieren, weil Spitalsärzte und der niedergelassene Bereich besser zusammenarbeiten. Der Vertragsentwurf liegt jetzt vor.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Woran das Gesundheitssystem krankt, ist für die Ärztekammer kein Geheimnis. „Es geht ums Geld, der Rest sind gut gemeinte Überschriften“, erklärt Präsident Artur Wechselberger. Das ist seine Kurzfassung des nun vorliegenden Landeszielsteuerungsvertrages. Das Unwort soll die Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Spitälern und dem niedergelassenen Bereich definieren und festlegen, wohin die Reise im Gesundheitswesen bis 2016 geht. Bis dorthin sollen rund 165 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Das Land hat 55 Millionen Euro weniger zur Verfügung, die Sozialversicherung 110 Millionen Euro. „Kostendämpfen“ nennt es Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP), „Sparen“ fällt Ärztekammerpräsident Wechselberger dazu ein. „Weniger Geld ausgeben und für die Patienten alles besser machen – dazu bräuchte es schon ein Wunder“, meint er.

Wie es gehen könnte, zeigt laut Landesrat Tilg das Beispiel Landeck-Imst. Dort gibt es einen Behandlungspfad für Schlaganfallpatienten. Was passiert, wenn der Patient aus dem Spital entlassen wird, ist genau festgelegt. Spital, behandelnder Arzt, Reha – die Behandlung ist abgesprochen und abgestimmt. Drehtürpatienten, die oft zu früh aus dem Spital entlassen werden und keinen Arzt als Ansprechpartner vor Ort haben und deshalb wieder ins Spital zurückkommen, sollen der Vergangenheit angehören. So etwas stellt sich Tilg auch für Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Patienten vor. „Das Miteinander von allen muss funktionieren.“ Von der „Kostendämpfung“ werde der Patient nichts merken, sagt der Landesrat.

Zielsteuerungsverträge gibt es in allen Bundesländern und einen vom Bund. In den Zielsteuerungskommissionen sitzen die Finanziers, also Vertreter der Länder und der Sozialversicherungsträger. Die Ärztekammer bleibt außen vor. Wenn ein Bundesland die vereinbarten Ziele nicht erreicht, gibt es Sanktionen. „Keine finanziellen, sondern eine Verwarnung“, erklärt Tilg.

Artur Wechselberger kritisiert, „dass im Vertrag nirgends die Finger in die Wunde gelegt werden“. Das große Weh des Gesundheitssystems sei nach wie vor, dass es zwei Finanziers gebe. Einen Tag vor einer Operation muss der Patient zur Voruntersuchung ins Spital. Das könnte auch vom Facharzt vor Ort erledigt werden. Im ersten Fall zahlt das Land als Finanzier der Spitäler, im zweiten Fall die Sozialversicherung. „Die Krankenkassen zahlen die Leistungen nicht und deshalb gibt es die Strukturen nicht“, sagt Wechselberger.

Das will der Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse, Werner Salzburger (VP), so nicht auf sich und der Sozialversicherung sitzen lassen. „Wir haben ein breites Netz an Kassenärzten“, meint er. Im Landeszielsteuerungsvertrag sei außerdem fixiert, dass Kassenstellen geteilt werden und echte Gruppenpraxen entstehen könnten. „Das kommt der Ärzteschaft entgegen.“ Geld werde auch durch eine neu zu installierende vorgeschaltete Ambulanz am Landeskrankenhaus Innsbruck gespart. Sie soll Anlaufstelle für die Patienten sein. Die Ärzte dort entscheiden, wo der Patient behandelt wird, sofort im Spital oder später von einem niedergelassenen Arzt. Außerdem sei im Vertrag viel über Gesundheitsvorsorge zu lesen. „Auch das hilft sparen.“ Allerdings glaubt auch Salzburger nicht, dass weniger Geld mehr Leistungen hervorbringen kann. „Wir werden mit den Ärzten härter um die Honorare verhandeln müssen.“ Das wiederum lässt Wechselberger laut auflachen: „Wo will die Kasse denn bei den bescheidenen Beträgen noch sparen?“


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