„Logistikzauberer, aber keine Verleger“

Frankfurt – Der deutsche Buchhandel sieht sich durch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA in seiner Existenz bedroht und fordert mit...

Frankfurt –Der deutsche Buchhandel sieht sich durch das geplante Freihandels­abkommen mit den USA in seiner Existenz bedroht und fordert mit Nachdruck den Erhalt der Buchpreisbindung. Die EU-Kommission dürfe sie bei den Verhandlungen keinesfalls opfern, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am Dienstagabend. Werde dieses Schutzinstrument abgeschafft, siege „die anonyme, ganz und gar manipulierbare Macht des Geldes über den Geist. Das Ende der stationären Buchhandlungen wäre eingeläutet.“

Die weltgrößte Buchmesse mit 7300 Ausstellern aus 100 Ländern beginnt am heutigen Mittwoch. Bis Sonntag werden rund 280.000 Besucher erwartet. Insgesamt gibt es rund 3000 Veranstaltungen. Etwa 1500 Autoren werden nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen.

Globale Konzerne wie Googl­e, Apple und Amazon drängten auf eine Abschaffung der Buchpreisbindung, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos bei der Eröffnungs-Presse­konferenz. „Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei.“ In Frankreich gebe es ein Gesetz, das traditionelle Buchläden vor Internet-Händlern schützt, und Steuererleichterungen für den Laden um die Ecke. Dies zeige die Wertschätzung der Buchkultur im Nachbarland. „Hier können wir von Frankreich lernen.“

Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Brasilien. Der 2500 Quadratmeter große Pavillon des Gastlandes präsentiert sich in großen Raumlandschaften. Mitgeschaffen hat ihn die namhafte brasilianische Designerin Daniela Thomas. Für die meterhohen Installationen der Wände, die Auszüge aus brasilianischen Büchern oder Comics wiedergeben, hat sie Tausende von feuerfesten Pappkartons benutzt – „eine Hommage an das Papier“, wie Thomas sagte.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

An den drei Fachbesuchertagen sind vor allem Themen an der Schnittstelle zwischen Digital und Analog wichtig. Unter anderem werden wieder neue E-Book-Lesegeräte zu bestaunen sein, doch die Neugier der Besucher dürfte deutlich geringer sein als in den Vorjahren. „Der große Hype ist vorbei“, glaubt Ronald Schild, Digital-Experte des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Jeder vierte Deutsche liest inzwischen Bücher auch digital, hat eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Umfrage ergeben. (APA, dpa, TT)


Kommentieren


Schlagworte