Erstmals Frau an der Spitze: Janet Yellen soll US-Notenbank leiten

Zum ersten Mal soll eine Frau die mächtige Notenbank der USA leiten: Präsident Barack Obama wird heute Janet Yellen als künftige Fed-Chefin nominieren.

Mit Janet Yellen wird erstmals eine Frau die Zentralbank übernehmen.
© EPA/FRANCK ROBICHON

Washington - Die US-Notenbank (Fed) soll erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet werden. US-Präsident Barack Obama will Fed-Vizechefin Janet Yellen an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt berufen, wie das Präsidialamt mitteilte. Obama werde seine Entscheidung am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ) im Weißen Haus bekannt geben. Dabei soll auch Fed-Chef Ben Bernanke anwesend sein, der den Posten nach seiner zweiten vierjährigen Amtsperiode Ende Jänner abgeben wird.

Yellen ist seit 2010 Bernankes Stellvertreterin und rückte in die Favoritenrolle, nachdem Obamas Wunschkandidat Lawrence Summers im September seine Bewerbung zurückgezogen hatte. Yellens Nominierung käme inmitten eines schweren Finanzstreits in Washington. Die US-Regierung muss derzeit ohne Haushalt operieren, nachdem sich der Kongress nicht auf einen Übergangsetat hatte verständigen können. Dies führt zu einem teilweisen Verwaltungsstillstand. Außerdem herrscht Uneinigkeit über die Mitte Oktober anstehende Erhöhung des US-Schuldenlimits.

Beraterin von Bill Clinton

Yellen hat aber nicht nur bei den Demokraten einen exzellenten Ruf, sondern auch bei den oppositionellen Republikanern. Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington. Sie war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.

Als Nummer Zwei ist Yellen eine enge Beraterin von Bernanke und gilt als ausgesprochene Verfechterin der aktuellen Politik des billigen Geldes. Seit mehr als vier Jahren hält die Fed den Leitzins bei knapp über null Prozent - zudem kauft sie monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten.

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Senat muss noch zustimmen

Nach dem überraschenden Verzicht des früheren Finanzministers Lawrence Summers galt Yellen als Top-Favoritin für die Bernanke-Nachfolge. Die 67-jährige frühere Professorin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin. Ihr wird jedoch nachgesagt, keinen engen Draht zum Präsidialamt zu haben.

Yellens Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden. Dies gilt als wahrscheinlich, da Obamas Demokraten in der Parlamentskammer die Mehrheit haben. Anders als Summers hat Yellen starke Unterstützung von den Demokraten erhalten. Unter den Republikanern herrscht dagegen größere Skepsis. Viele befürchten, dass die extrem laxe Geldpolitik der Fed zu Blasen an den Märkten führen und die Inflation in ungewollte Höhen treiben könnte.

Große Herausforderungen

Werden in naher Zukunft keine Änderungen in der Zinspolitik erwartet, so hat die Fed angedeutet, dass sie bald stufenweise aus dem Anleihenkauf aussteigen dürfte. Viele Experten hatten den Beginn bereits für September erwartet, aber Bernanke entschied sich unter anderem wegen der nur zögerlichen Erholung am Arbeitsmarkt noch für Zurückhaltung. Wird Yellen seine Nachfolgerin, halten es Experten für ihre erste große Herausforderung, entweder den Ausstieg einzuleiten oder - wenn er inzwischen bereits begonnen hat - das Programm im richtigen Tempo herunterzufahren. (dpa, Reuters)

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