„Zuckerl für Investoren der Hängebrücke war ein Muss“

Reuttes Vizebürgermeister Dietmar Koler steht zur Ausfallshaftung durch die Marktgemeinde: „Das war sogar meine Idee.“

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Dietmar Koler ist nach Eigeneinschätzung ein Steher. Hat er sich erst einmal eine Meinung gebildet, dann kann ihn auch Gegenwind nicht ins Wanken bringen. Die laufende Diskussion über die Rolle der Marktgemeinde bei der öffentlichen Ausfallshaftung für die Investoren der geplanten größten Fußgängerbrücke der Welt auf Ehrenberg beunruhigt ihn nicht im Mindesten. Er steht dazu und ist – ganz im Gegenteil – sogar stolz, die Idee der Haftungsübernahme überhaupt erst geboren zu haben. Der Reuttener Vizebürgermeister ist auch Obmann des Europäischen Burgenvereines Ehrenberg – und damit in einer modernen Fassung erster Burgenverteidiger. Der Verein ist zu großen Teilen deckungsgleich mit dem jeweils aktuellen Gemeinderat Reuttes und soll die Interessen der Kommune an der Entwicklung Ehrenbergs wahren.

Die geplante Hängebrücke „Highline 179“ ist mit Baukosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Die Vorarbeiten dazu haben schon begonnen. Sollten die Besucherzahlen weit unter den Erwartungen bleiben, können die vier privaten Investoren davon ausgehen, dass ihnen Gemeinde Reutte und TVB zu gleichen Teilen eine gestaffelte Ausfallshaftung zukommen lassen – maximal 500.000 Euro.

„Wir mussten Investoren dazu bringen, über die Latte zu springen und die Brücke bauen zu wollen. Sie gehen schließlich ein Mordsrisiko ein. Deshalb haben wir uns ein Zuckerl überlegt“, sagt Koler. Der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion im Gemeinderat räumt ein, dass nach nicht positiv verlaufenen Verhandlungen mit einem anderen möglichen Interessenten diese Idee in ihm gereift sei. „Bei den Erstgesprächen mit der nun involvierten Investorengruppe ist das Angebot einer Risikoabfederung deshalb sofort von unserer Seite unterbreitet worden.“ Koler räumt auf TT-Nachfrage ein, auch nicht zu wissen, wer denn nun alle nicht genannt werden wollenden Investoren wirklich seien.

„Ich verstehe die Aufregung sowieso nicht. Dieses Projekt wird eine außergewöhnliche wirtschaftliche Belebung für Reutte, die Region, ja den ganzen Bezirk bringen. Natürlich hat die Gemeinde großes Interesse an der Verwirklichung. Und wir zahlen ja nicht bar hinein, sondern nehmen den Investoren nur einen Teil der Last des Risikos ab.“

Der Speditionsunternehmer vergleicht die Hängebrücke samt Ehrenberg-Ensemble mit einem Freizeitpark. Jede Kommune würde größte Anstrengungen unternehmen, um so ein Projekt an Land zu ziehen.


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