„Ich will hier alle Spiele gewinnen“

Robert Gardos (34) greift bei der Tischtennis-EM in Schwechat nach der Titelverteidigung. Vom Scheitern will der Innsbrucker trotz Müdigkeit nichts wissen.

Von Roman Stelzl

Schwechat –Es zehrt an den Kräften. Diese Anspannung, die Nervosität, das Wissen um die große Chance bei einer Heim-Europameisterschaft – und addiert man dazu noch einen kleinen Fieberschub aus der Vorwoche, ein wenig Trainingsrückstand obendrauf, dann scheint gefühlt der Punkt erreicht, an dem Tischtennis-Spieler Robert Gardos gestern aus der Schwechater EM-Trainingshalle tritt.

„Ich fühle mich ein bisschen müde, es fehlt an der Kondition. Ich versuche aber gut zu trainieren“, meinte der 34-jährige Innsbrucker, der im Doppel als Titelverteidiger (mit Daniel Habesohn) und daneben im Einzel an die Platte tritt. Als Top-Favorit? Gardos: „Mein Ziel ist es, alle Spiele zu gewinnen. Aber ich brauche ein, zwei Partien, um zu wissen, wo ich stehe. Ich bin ja kein Rafael Nadal oder Usain Bolt und marschiere einfach durch. Es kann schnell vorbei sein.“

Ein wenig Vorsicht schwingt trotz der gewohnt klaren Ansage mit in den Worten des Doppel-Europameisters von 2012, ehe es morgen an die Kugel geht. Zwei Nächte im Hotel, getrennt von Sohn Alejandro und Frau Pamela, sollen die nötige Erholung für die Aufgaben bringen.

Im Einzel ist Gardos an Position fünf gesetzt, Edelmetall scheint damit keine Utopie zu sein. „Die meisten Spieler, die hier antreten, habe ich schon einmal besiegt. Eine Medaille ist sicher in Reichweite – aber es sind viele Kleinigkeiten, die bei einem Sportler zusammenpassen müssen“, so Gardos.

Im Doppel sind Habesohn/Gardos nach ihrem Triumph im Vorjahr und dem starken Auftritt heuer bei der Weltmeisterschaft in Paris (Platz fünf, als einziges nicht-chinesisches Team im Viertelfinale) an Position eins gesetzt. Im besten Fall (zwei Siege in Runde eins) warten bereits am ersten Tag vier Begegnungen auf den in Budapest geborenen Olympia-Teilnehmer. Und die Doppelbelas­tung ist für ihn sowohl Segen als auch Fluch.

Bei der heurigen WM war Gardos im Einzel als Achtelfinalist so gut wie noch – ehe in den entscheidenden Partien das letzte Quäntchen Ausdauer und Kraft fehlte. Die Fokussierung ausschließlich auf Doppel stand dennoch nicht zur Debatte. Die Chancen auf die erste Einzel-Medaille bei einem Großereignis sind nach der Absage von Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager und Deutschlands Star-Spieler Timo Boll ungleich größer.

Mit Gardos’ kongenialem Partner Habesohn stimmt die Chemie so gut wie nie zuvor. Das Herzschlagfinale von 2012, als sich die Österreicher im fünften Satz mit 12:10 in Kopenhagen (DEN) die Goldmedaille sicherten, ist den beiden noch gut in Erinnerung. Heuer wird es kaum ruhiger ablaufen. Und beim Gedanken daran ist die Freude über die Woche Urlaub nach der EM umso schöner.


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