Geplante Yellen-Nominierung beflügelt Europas Börsen

Der „Yellen-Effekt“ gibt Aktien und dem Dollar Auftrieb. Der ungelöste US-Haushaltsnotstand sorgt jedoch weiterhin für Nervosität.

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Washington - Die geplante Berufung von Janet Yellen zur neuen US-Notenbankchefin hat den europäischen Börsen am Mittwoch Auftrieb gegeben. Die derzeitige Vizepräsidentin der Fed gilt als Verfechterin einer ultra-lockeren Geldpolitik. Die Furcht der Anleger vor den wirtschaftlichen Folgen des US-Haushaltsstreits bremste die Erholung allerdings.

Der Dax legte bis zu Mittag 0,2 Prozent auf 8.577 Punkte zu. Der EuroStoxx50 gewann 0,6 Prozent auf 2.922 Zähler. Die Börsen der südeuropäischen Krisenstaaten Spanien und Italien stiegen sogar jeweils mehr als ein Prozent. Der spanische Ibex kletterte dabei zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 9.441,40 Punkten. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf eine freundliche Eröffnung der Wall Street hin.

Yellen-Berufung Signal für Kontinuität

„Die Berufung Yellens zur Fed-Präsidentin ist ein Signal für Kontinuität in der Geldpolitik“, sagte Michael Hewson, Marktanalyst des Brokerhauses CMC Markets. „Darauf reagieren die Märkte positiv.“ Dieser Effekt sei aber nur kurzfristig, warnte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. Schließlich sei eine ultra-lockere Geldpolitik kein Ersatz für tiefgreifende Reformen.

Vom „Yellen-Effekt“ profitierte auch die US-Währung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, gewann 0,4 Prozent. Im Gegenzug verbilligte sich die europäische Gemeinschaftswährung um rund einen halben US-Cent auf 1,3512 Dollar. Diese Kursreaktion erscheine auf den ersten Blick überraschend, sagte Volkswirt Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Entscheidend sei hier die Erleichterung darüber, dass die Nachfolge-Frage endlich gelöst sei. Der Bund-Future zog ebenfalls an und legte um 25 Ticks auf 140,47 Punkte zu.

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Keine Annäherung im US-Haushaltsstreit

Neben Yellen lieferte der US-Haushaltsnotstand Börsianern wieder reichlich Diskussionsstoff. Weil sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress bisher nicht auf einen neuen Etat und die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar einigen konnten, steuert die weltgrößte Volkswirtschaft auf die Zahlungsunfähigkeit zu. „Alle hatten gedacht, dass die US-Politiker am Ende erwachsen werden“, sagte Tohru Yamamoto, Chef-Rentenstratege bei Daiwa Securities. „Einige Leute gehen aber inzwischen davon aus, dass sie zu kindisch sind, um rechtzeitig erwachsen zu werden.“

Die Nervosität vieler Anleger spiegelte sich am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Dort wuchs die sogenannte Inversion weiter an. Mit diesem Begriff bezeichnen Börsianer den Umstand, dass Kreditausfall-Versicherungen mit kürzeren Laufzeiten mehr kosten als solche mit längeren. Üblicherweise ist es umgekehrt, weil bei längeren Laufzeiten das Risiko unvorhergesehener Ereignisse größer ist. Eine zwölf Monate laufende Versicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets von US-Anleihen verteuerte sich um 7.000 auf 60.000 Dollar (44.195,6 Euro), teilte der Datenanbieter Markit mit. Damit hat sich die Prämie seit Monatsbeginn in etwa verzehnfacht. Bei CDS mit einer Laufzeit von fünf Jahren lagen die jährlichen Gebühren am Mittwoch bei lediglich 38.000 Dollar.

Versorger und Telecom Italia im Aufwind

Im Dax standen E.ON und RWE mit Kursgewinnen von 2,5 und 1,1 Prozent hoch in der Anleger-Gunst. „Die beiden Versorger haben noch einiges Nachhol-Potenzial“, sagte ein Börsianer. Die Papiere lagen am Mittwoch unterhalb ihrer Niveaus vom Jahreswechsel, während der deutsche Leitindex im gleichen Zeitraum rund zwölf Prozent zulegte. An der Mailänder Börse zogen Telecom Italia (TI) um 3,6 Prozent auf 0,64 Euro an, nachdem sie im frühen Handel als Reaktion auf die Herabstufung der Bonität durch die Rating-Agentur Moody‘s noch mehr als zwei Prozent verloren hatten. Börsianer gehen davon aus, dass der neuen Firmenchef Marco Patuano Beteiligungen verkaufen wird, um die Schulden in Höhe von derzeit 29 Milliarden Euro zu verringern. (Reuters/tt.com)


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