Libyscher Regierungschef nach Entführung wieder frei

Der entführte libysche Ministerpräsident Ali Zeidan (Seidan) ist wieder frei. Als Drahtzieher der Entführung werden ehemalige Rebellen vermutet.

Tripolis – Der entführte libysche Ministerpräsident Ali Zeidan (Seidan) ist wieder frei. Das verlautete am Donnerstag aus Regierungs- und Sicherheitskreisen.

Zeidan sei von unbekannten Tätern aus einem Hotel in der Hauptstadt Tripolis verschleppt worden, teilte die Regierung in Tripolis am Donnerstag mit. Sie bestätigte damit entsprechende Berichte der TV-Sender Sky News Arabia und Al-Arabiya.

Als Drahtzieher der Entführung werden ehemalige Rebellen vermutet.

Im Internet kursierten Fotos, die während der Entführung aufgenommen worden sein sollen. Sie zeigen Zeidan ohne Brille und mit offenem Hemd. Bei der Entführung im Hotel Corinthia in Tripolis, in dem sich Zeidan aufhielt, fielen Wachleuten zufolge keine Schüsse. Auch sei es nicht zu einem Kampf gekommen.

Entführung oder Festnahme?

In der libyschen Hauptstadt wird vermutet, dass die Entführung im Zusammenhang mit der Verschleppung des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Abu Anas al-Libi steht. Die Spekulationen haben sich am Morgen bestätigt: Wie eine Ex-Rebellengruppe erklärte, habe sie sich zu der Tat entschlossen, nachdem US-Außenminister John Kerry erklärt habe, dass die libysche Regierung von dem US-Einsatz gegen den Extremisten Abu Anas al-Libi gewusst und diesen erlaubt habe. Sie warf der Regierung Korruption und Gefährdung der nationalen Sicherheit vor. Das US-Außenministerium erklärte, es stehe in engem Kontakt mit der libyschen Regierung. Die Gruppe behauptet außerdem, Zeidan „auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen“ zu haben. Die Festnahme des Ministerpräsidenten in der Hauptstadt Tripolis sei gemäß dem libyschen Strafgesetz erfolgt, erklärte die Gruppe namens „Operationszelle von Revolutionären“ auf ihrer Facebook-Seite im Internet. Die Zelle untersteht theoretisch den libyschen Ministerien für Verteidigung und Inneres.

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Am vergangenen Wochenende hatte ein US-Sonderkommando Al-Libi, Mitglied der Al-Kaida, gefasst. 1998 soll er an verheerenden Bombenanschlägen in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein. Dies hatte islamistische Extremisten zusätzlich gegen die Regierung aufgebracht.

Ali Zeidan ist der erste gewählte Regierungschef Libyens. Der ehemalige Oppositionelle hatte in der Ära von Diktator Muammar al-Gaddafi im Exil gelebt, unter anderem im Irak und in Deutschland. Zeidan hatte den Aufbau einer neuen Armee als Priorität genannt. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt kommt der Aufbau der Armee und Polizei jedoch nur langsam voran. Am Montag besetzten Dutzende Soldaten den Amtssitz von Zeidan, um die Auszahlung ausstehender Löhne zu fordern. Medienangaben zufolge warten sie seit Monaten vergeblich auf ihre Löhne.

Seit dem Sturz und Tod Gaddafis im Oktober 2011 kommt Libyen nicht zur Ruhe. Zahlreiche frühere Rebellenmilizen weigern sich, ihre Waffen abzugeben, und versuchen mit Gewalt, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Wiederholt belagerten bewaffnete Demonstranten Behörden, Ministerien und das Parlament. Zudem liefern sich die Milizen sowie rivalisierende Stämme immer wieder blutige Kämpfe. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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