Neun Jahre verschwunden: Steirisches Geschwisterpaar in Paraguay gefunden

Die inzwischen 17 und 14 Jahre alten Jugendlichen wurden von ihrem Vater im November 2004 entführt. Nach dessen Unfalltod gab ein Bekannter nun, neun Jahre später, den entscheidenden Hinweis.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Asuncion – Neun Jahre nach der Entführung von zwei steirischen Geschwistern durch ihren Vater sind das heute 17-jährige Mädchen und sein 14-jähriger Bruder in Paraguay aufgetaucht. Der Vater, ein Grazer, war bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen, und so erfuhren die Behörden von dem Fall. Die Mutter, eine inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrte Ungarin, wurde am Mittwoch über das Außenministerium informiert.

„Freude, die man mit Worten gar nicht beschreiben kann“

„Ich habe eine Freude, die mit Worten gar nicht zu beschreiben ist“, sagte die heute 47-jährige Mutter laut Martin Weiss, Sprecher des Außenamtes. Sie brenne darauf, ihre Kinder wieder in die Arme zu schließen. Seitens der österreichischen Behörden will man Hilfe anbieten, es sei schließlich eine freudige, aber nach neun Jahren doch ungewöhnliche Situation. In welcher Weise eine Kontaktnahme und Zusammenführung erfolge, sei die private Entscheidung der Frau. Über das Honorarkonsulat sei man mit der Lebensgefährtin des verstorbenen Vaters in Kontakt, die auch den Haushalt führe. „Die Kinder leben in geordneten Verhältnissen und gehen ganz normal zur Schule“, so Weiss.

Als die beiden Kinder am achten Geburtstag des Mädchens zeitgleich mit dem damals 51-jährigen Vater im November 2004 verschwanden, wurde über Interpol die Fahndung eingeleitet. Die damals 38-jährige Mutter setzte alle Hebel in Bewegung, suchte die Öffentlichkeit und startete Hilferufe über Medien, Internet und YouTube - vergebens. Neun Jahre lang gab es keine Spur, nur Ungewissheit; vielfach wurde gemutmaßt, ein Verbrechen könnte hinter dem Verschwinden stecken. Laut Fahndungsblatt wurde der Grazer dringend verdächtigt, „seine Frau mehrmals genötigt zu haben, ihn nicht zu verlassen, indem er ihr mit einer Gefährdung durch Sprengmittel, mit einer Brandstiftung und dem Tod der gemeinsamen Kinder drohte“.

Grazer hatte Flucht genau geplant

Der Mann, der mit Familie einen Bauernhof in Zwaring-Pöls (Bezirk Graz-Umgebung) bewirtschaftete, dürfte die Flucht nach der Scheidung wegen des drohenden Sorgerechtsentzugs genau geplant haben: Er hatte alle Rechtsgeschäfte geregelt, hieß es am Donnerstag aus der Gemeinde. Dort herrschte allgemein Erleichterung darüber, dass die Kinder am Leben sind.

Erst als der mittlerweile 60-Jährige vor kurzem bei einem Motorradunfall in Encarnacion, einer Stadt an der Grenze zu Argentinien, ums Leben kam, wurde der Fall geklärt: Ein Bekannter, der die Vorgeschichte kannte, wandte sich an die österreichischen Behörden und gab den entscheidenden Tipp. (APA)


Schlagworte