Alles begann mit einem kleinen Ladele

Das erste Zeichen setzte die Hörtnagl-Familie in Innsbruck vor 150 Jahren. Es sollten viele weitere folgen.

Von Denise Daum

Innsbruck –Jeden Tag um Punkt 11 Uhr erscheint Firmenchefin Doris Daum-Hörtnagl in der Haller Produktionsstätte von Hörtnagl. In der 1996 errichteten Firmenzentrale werden jährlich rund 2700 Tonnen Wurst und Fleisch für den Großhandel und die unternehmenseigenen Filialen gefertigt. Daum-Hörtnagl verkostet täglich selbst die Produkte, um sich von Frische und Qualität zu überzeugen. „Und ich bin sehr kritisch“, sagt Daum-Hörtnagl, die 1964 ins Familienunternehmen eingetreten ist. „Ich war damals eine richtige Allrounderin, habe auch als Wurstverkäuferin gearbeitet und bin in der Früh um 5 in der Markthalle gestanden, um die frischesten Waren zu bekommen“, erinnert sich „Frau Doris“, wie sie Kunden nennen – so wie ihr Vater der „Herr Ernst“ und ihr Bruder der „Herr Hans“ war.

Hörtnagl-Jubiläum

Das Unternehmen in Zahlen: Mit 230 Mitarbeitern und 14 Filialen erzielt Hörtnagl einen Umsatz von 24 Mio. Euro. Die Jahresproduktion liegt bei 2700 t Wurst und Fleisch.

Jubiläumsfest: Am Sonntag, 13. Oktober, findet vor der Haller Hörtnagl-Zentrale in der Trientlstraße 5 ab 9.30 Uhr ein Frühschoppen statt.

Vom Mädchen für alles zur Firmenchefin wurde Daum-Hörtnagl 1976. Der Grund dafür war ein trauriger. Ihr Bruder Hans starb bei einem Flugzeugabsturz. „Hans hat in seinem Testament festgehalten, dass mir die Ägiden übertragen werden, sollte ihm etwas zustoßen“, erzählt sie.

Bruder Hans hatte zuvor das Unternehmen von seinem Vater Ernst übernommen. „Der Vater war ein Pionier“, sagt Frau Doris. „In den 40er-Jahren ist er mit einer klapprigen Propellermaschine nach Amsterdam geflogen, um kultivierte Pilze zur Joghurt-Produktion nach Tirol zu holen.“ Im eigenen Bauernhof in Pradl wurde dann zum ersten Mal Joghurt für die Hörtnagl-Filialen hergestellt.

Pioniergeist scheint der Familie im Blut zu liegen. Der Firmengründer Andrä Hörtnagl eröffnete 1863 ein kleines Ladele in der Innsbrucker Angerzellgasse, das dessen Sohn Hans neun Jahre später übernahm. Ende des 19. Jahrhunderts nahm Hans Hörtnagl die erste Kühlvitrine in Tirol in Betrieb – eine Sensation zur damaligen Zeit. „Der Großvater war ein wichtiger Mann fürs Unternehmen“, betont Daum-Hörtnagl, „er hat kurz nach der Jahrhundertwende das erste Lebensmittelgeschäft Tirols mit eigener Wurst- und Fleischabteilung eröffnet.“

Einen „Überlebensschritt“, wie sie es nennt, setzte Doris Daum-Hörtnagl 1996, als sie die Produktionsstätte vom Innsbrucker Burggraben nach Hall verlegte. „Mit der EU kamen neue Bestimmungen, die die Aussiedlung der Produktion aus dem Stadtzentrum notwendig machten“, erklärt die Firmenchefin. Drei Jahre später investierte das Unternehmen 12,5 Millionen in den Bau der Hörtnagl-Passage mit einem großen Feinkostgeschäft am Burggraben.

In die Hörtnagl-Passage begibt sich Frau Doris jeden Tag, nachdem sie die Verkostung in Hall vorgenommen hat. „Ich betreue unsere Kunden, schreibe selbst Rezepte, die ich im Geschäft auflege, und schaue bei meinen Mitarbeitern nach dem Rechten“, erzählt die rastlose Firmenchefin.


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