„Das Auto wurde immer schneller und schneller“

Zwei der „Drumartic“-Musiker sind zurück in Osttirol. Sie versuchen, den Unfalltod ihres Freundes zu bewältigen - ein Kraftakt.

René Mair (links) und Markus Warscher gaben nach ihrer Rückkehr aus Südafrika im Bezirkskrankenhaus Lienz eine Pressekonferenz.
© Funder

Von Claudia Funder

Lienz – Markus Warscher und René Mair sind körperlich und psychisch erschöpft, wirken aber unglaublich gefasst. Vor wenigen Tagen haben sie einen Alptraum erlebt. Ihr 32-jähriger Bandkollege und Freund Markus Wendlinger fand bei einem Autounfall in Südafrika den Tod – die TT berichtete. Die beiden Musiker der Formation „Drumartic“ sind zurück in Osttirol. Im Lienzer Krankenhaus sprechen sie sehr offen über das tragische Ende einer so traumhaft gestarteten Konzertreise und über ihren verlorenen Kameraden. „Es war der perfekte Tag, bis das Unglück geschah“, erzählt Markus Warscher, dessen Verletzungen deutlich schlimmer sind als in Südafrika diagnostiziert. Er hat ein schweres Brustkorb-Trauma, Gesichtsschädelfrakturen, Prellungen und Schürfwunden davongetragen. „Aber die körperlichen Schmerzen gehen irgendwann wieder weg“, sagt er.

„Das abwärtsfahrende Auto wurde plötzlich immer schneller und schneller. Zu Beginn dachten wir an einen Spaß des Lenkers.“
Markus Warscher

Die Musikertruppe hatte am vergangenen Samstag einen Sonnenuntergang auf einem Berg genossen und war auf der Rückfahrt mit einem offenen Geländewagen verunglückt. Ob tatsächlich Bremsversagen die Ursache war, ist unklar. „Das abwärtsfahrende Auto wurde plötzlich immer schneller und schneller“, erinnert sich Warscher. „Zu Beginn dachten wir an einen Spaß des Lenkers“, ergänzt Mair. Der Wagen sei über einen sechs Meter tiefen Abgrund gestürzt. Es war dunkel. „Wir haben uns durch Rufe verständigt, wer ansprechbar ist“, erinnert sich Mair. Er und Peter Lindsberger, ein weiterer Musiker von Drumartic, schauten, dass Ruhe bewahrt wird und sich keiner der Schwerverletzten zu viel bewegt, bis Hilfe kommt. Das sollte jedoch eine gefühlte Ewigkeit dauern. Mair: „Erst nach rund eineinhalb Stunden waren die Rettungswägen vor Ort.“

Der allseits beliebte und hochtalentierte Osttiroler Musiker Markus Wendlinger war auf der Stelle tot. Die anderen Bandmitglieder wurden mit ihren Begleitungen in ein Krankenhaus nach Bethlehem gebracht. Die Sängerin Kathrin Mußhauser wird dort nach wie vor auf der Intensivstation stationär behandelt. Sie soll morgen mit der Air-Ambulanz nach Österreich zurückgeflogen werden. Peter Lindsberger war bei ihr geblieben und macht sich am Samstag mit einem Freund auf den Heimweg.

„Jedem Einzelnen war es am Gesicht abzulesen, wie glücklich er ist“

Trauerkerzen für Markus Wendiger.
© Brunner Images

Die beiden bereits zurückgekehrten Freunde berichten nicht nur über den fatalen Unfall, sondern immer wieder über die traumhafte Zeit, die sie vor dem Unglück gemeinsam verlebten. Etwa von den beiden Tigern aus Rumänien, die sie in Südafrika in die Freiheit entlassen durften. „Es waren die ganze Woche nur schöne Erlebnisse“, so Warscher. „Jedem Einzelnen war es am Gesicht abzulesen, wie glücklich er ist. Und wenn ich sage jedem, dann wisst ihr genau, wen ich meine.“

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Wann der bei dem Unfall verstorbene Markus Wendlinger zurück in seine Heimat gebracht werden kann, steht noch nicht fest. Es fehlen noch Papiere für den Transport. Zum Unfallhergang wird es eine juristische Aufarbeitung geben, die Ermittlungen laufen.


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