Heftiger Wintereinbruch

Winter reichte Tirol eiskalt die Hand

Aus dem ganzen Land erreichten uns am Freitag Fotos von Schneelandschaften. Vielen Dank! In Ellmau kämpfen Winter und Herbst noch um die Vorherrschaft.
© Annemarie Rijkens (Leserfoto)

Bis zu 50 Zentimeter Neuschnee in mittleren Lagen und das Chaos war perfekt: Ein flächendeckender ÖBB-Ausfall, Straßensperren ohne Ende und 55.000 stromlose Haushalte sorgten für ein Wintermärchen der anderen Art.

Innsbruck – Ja darf er denn das? So einfach zu kommen, mitten im Oktober und über Nacht? Angekündigt war er, der Wintereinbruch. Geglaubt haben daran nur die wenigsten. Umso mehr Tiroler wurden Freitagfrüh vom Blitz-Winter im wahrsten Sinne eiskalt erwischt. Die Winterreifen nicht montiert, die Skianzüge im Keller und bibbernd vergeblich auf den Zug gewartet. An die 50 Zentimeter Neuschnee in Mittelgebirgslagen und sogar zehn Zentimeter im Innsbrucker Stadtgebiet ließen halb Tirol zu ungewollten Improvisationskünstlern mutieren. Speziell zur Pendler-Hochzeit zwischen 6 und 9 Uhr ging stellenweise gar nichts mehr. Umgestürzte Bäume und ob der Schneelast abgeknickte Äste blockierten wichtige Verkehrsverbindungen, stoppten ÖBB-Züge und rissen ganze Überspannleitungen ab. Das Chaos nahm seinen Lauf.

Ansonsten froh um jeden Gast, sprachen die ÖBB, kurz nachdem frühmorgens der gesamte Zugverkehr in Tirol daniederlag, eine Reisewarnung aus – besser nicht mit dem Zug, lautete die Vorgabe, wie ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel sagte. Zwei Züge mussten zwischen Roppen und Imst in den nächsten Bahnhof gezogen werden, am Brenner saßen Güterzüge fest. Die meisten Strecken gingen im Laufe des Tages wieder auf. Noch bis heute bleibt der Schienenersatzverkehr ins Außerfern und auf der Karwendelbahnstrecke bestehen.

Dort, wo der Zug ausfiel, blieb meistens auch der Kaffee in den Haushalten kalt. 22.000 in der Spitze und in Summe 55.000 Tiroler Haushalte hatten gestern zeitweise keinen Strom. An einen derartigen flächendeckenden Netzausfall konnte sich Klaus Schüller von Tinetz jedenfalls nicht erinnern. Noch in den späten Nachmittagsstunden waren 2000 Haushalte vom Netz getrennt. „Wir sind wild entschlossen, das bis zum Abend zu beheben“, so Schüller.

„Es ist dunkel. Nur die Straßenbeleuchtung, die vom gemeindeeigenen E-Werk versorgt wird, und die Notstromaggregate liefern Strom“, schilderte der mit seinem Dorf eingeschlossene BM Ernst Schöpf die Lage in Sölden. Nicht minder dramatisch war die Lage im Außerfern und im Bezirk Landeck. „Überall hörte man die Bäume knacken“, erzählte Feuerwehrmann Marcel Pircher, der um kurz nach 5 Uhr Früh in See alarmiert wurde.

Landesweit standen 800 Feuerwehrleute bei 564 Einsätzen an der Schneefront. Galt es doch Bäume zu beseitigen, Wege freizubekommen und hängen gebliebene Fahrzeuge wieder flott zu bekommen. „Wir haben eigentlich mit einem größeren Verkehrschaos gerechnet“, sagte Innsbrucks Branddirektor Erwin Reichel, der zusammen mit Vize-BM Christoph Kaufmann die Gemeindeeinsatzleitung hochgefahren hatte. Ersten Meldungen zufolge gab es zwar jede Menge Sach-, aber keine Personenschäden. Wer noch bis Mittwoch Baumreste zu entsorgen hat, kann dies in der Kompostieranlage Ross­au kostenlos erledigen.

Das Unterland kam glimpflich davon, über den Felbertauern schaffte es der Schnee überhaupt nicht. Aber darüber dürften die Osttiroler dieses Mal wohl kaum traurig gewesen sein. Glück hatte auch ein Urlauber aus Deutschland, der mit seinen zwei Kindern (sechs und sieben Jahre alt) oberhalb von Mayrhofen im Tiefschnee und mit Turnschuhen stundenlang unterwegs war. Die Bergrettung barg das Trio unverletzt. (TT, mami)

In einem Live-Blog hat Sie TT.com über die aktuellen Geschehnisse informiert.

Aktuelles zum Wintereinbruch in Tirol

Live-Ticker beendet

14:17 Uhr

Mit guten Nachrichten aus allen Landesteilen beenden wir an dieser Stelle unseren Live-Ticker: Das frühmorgendliche Schneechaos konnte mittlerweile bewältigt werden. Die Aufräumarbeiten werden aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit gilt es vor allem umgestürzte Bäumen und abgebrochene Äste zu beseitigen.

Natürlich werden wir Sie in gewohnter Qualität weiterhin informieren. In der morgigen Samstagsausgabe der Tiroler Tageszeitung lesen Sie eine Reportage über die vergangene Nacht.

Grandiose Leserfotos

14:12 Uhr

Unseren Foto-Reportern gebührt ebenfalls Dank. Aus allen Teilen des Landes erreichen uns Zeugnisse des Wintereinbruchs. Einige Fotos können in zwei Bildergalerien ("Ganz in Weiß: Noch mehr Winterbilder aus Tirol" und "Impressionen aus dem winterlichen Tirol") betrachtet werden.

Dank an alle Einsatzkräfte

14:09 Uhr

Wir möchten uns den Dankesworten der Stadt Innsbruck anschließen und uns bei allen Einsatzkräften bedanken. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes, der um Mitternacht begann und teilweise noch andauert, konnte der unerwartet heftige Wintereinbruch bis in die Mittagsstunden unter Kontrolle gebracht werden.

„Hier wird großartige Arbeit geleistet“, meint auch der zuständige Vizebürgermeister Christoph Kaufmann in einer Aussendung.

Arbeiter bei Schneeräumung verletzt

14:08 Uhr

Am Freitagmorgen wurde in Fulpmes im Stubaital ein Arbeiter bei der Schneeräumung verletzt, das berichtet die Polizei. Als er die Ladezufahrt eines Betriebes mit der Schneefräse räumte, blockierte die Maschine wegen einer Verstopfung im Auswurfschacht. Der Arbeiter räumte den Schacht mit der Hand frei und geriet dabei in die wieder anlaufende Fräse. Dabei verletzte er sich am rechten Mittelfinger. Er wurde nach der Erstversorgung mit der Rettung in die Klinik Innsbruck gebracht.

Verkehr fließt wieder

14:06 Uhr

Auch die Tiroler Hauptstraßen sind wieder ohne Einschränkungen befahrbar. Vereinzelt kann es aufgrund der Schneelast noch zu örtlichen Sperren kommen.

Bahn: Hauptstrecken wieder befahrbar

14:04 Uhr

Die wichtigsten Zugverbindungen konnten im Laufe des Tages wieder aufgenommen werden. Die West-, Ost-, Nord-, und Südstrecke ist befahrbar. Gegen 13 Uhr konnte auf der Brennerstrecke ein Gleis für den Verkehr freigegeben werden. Primär werden jetzt Personenzüge durchgelassen.

An einige Nebenstrecken gibt es allerdings noch Probleme. Die Strecke Seefeld-Garmisch wird den ganzen Tag über nicht passierbar sein, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Auch im Außerfern gibt es noch Gleis-Probleme. Die Strecke Reutte-Garmisch konnte noch nicht in Betrieb genommen werden.

Erneut Stromausfälle im Ötztal

14:02 Uhr

Unter den Schneemassen geben Bäume immer wieder nach. Herabstürzende Äste haben erneut Stromleitungen beschädigt. Derzeit gibt es wieder Probleme im Ötztal. Rund 5000 bis 6000 Haushalte dürften derzeit ohne Strom sein. 167 Trafostationen in 22 Gemeinden sind unversorgt. Im Laufe des Tages dürften aber die größten Probleme beseitigt werden. Gröbere Schwierigkeiten gibt es noch am Brenner, dort tasten sich dei Einsatztrupps derzeit an die beschädigten Leitungen heran.

Nur noch vereinzelt Stromausfälle

13:36 Uhr