Der verschleppte Krummstab

Was macht ein Bischofsstab am Gartenzaun? Ein Kunstliebhaber aus Wilten mit detektivischem Spürsinn konnte das Rätsel lösen.

Innsbruck –Etlichen Passanten war der über zwei Meter hohe, vergoldete Krummstab offensichtlich nicht weiter aufgefallen. Als ein Innsbrucker mit seinem Fahrrad an diesem Samstagmorgen die Glasmalereistraße entlangfuhr und schließlich überrascht innehielt, dürfte das Stück bereits mehrere Stunden an dem Gartenzaun gelehnt sein. Dem Wiltener Kunstliebhaber, der nicht genannt werden will, war wohl klar, dass hier etwas nicht ganz mit rechten Dingen zugehen konnte, jedenfalls radelte er weiter zur nächsten Polizeiinspektion.

Dort fragten ihn Beamte schließlich, woher der schwere Metallstab seiner Meinung nach stammen könnte. Der interessierte Mann wusste es zwar nicht, stieg aber – wie er später meinte – einer Eingebung folgend wieder aufs Rad und fuhr in die Maria-Theresien-Straße. Als er kurz darauf bei der Annasäule ankam und mehrere Meter hoch zur Statue des hl. Vigilius blickte, war ihm vieles klar. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte noch niemandem aufgefallen sein, dass der Bischof und Patron der Diözese Trient mit leeren Händen auf seinem Sockel stand.

Beim Bundesdenkmalamt meinte man später, dass es sich bei Weitem nicht um den ersten Vorfall dieser Art handelte. Es sei sogar „unglaublich“, wie sich diese Vorkommnisse häuften. Dass ein Restaurator schließlich sogar die Krummstäbe der beiden Bischöfe Vigilius und Kassian verankerte und anleimte, konnte Vandalenakte dieser Art offensichtlich auch nicht verhindern. Denn darum dürfte es sich nach Meinung des Denkmalamts und auch der Beamten in der Polizeiinspektion Innere Stadt gehandelt haben. Dort heißt es, dass man sich nicht sicher sei, ob es sich um eine Straftat handle, man tippe aber auf einen Streich. „Da werden vermutlich betrunkene Studenten nichts Besseres zu tun gehabt haben, als auf die Annasäule zu klettern und den Stab herunterzuholen.“ Weil dieser sehr schwer ist und wegen seiner Länge auch sehr unhandlich, dürften ihn die Täter wenige Straßen weiter südlich einfach abgestellt haben, so die Vermutung.

Inzwischen ist der Bischofsstab wieder dort, wo er hingehört. Bei der Polizei ist man unterdessen überrascht, dass sich noch niemand bei dem ehrlichen Finder bedankt hat. Die Annasäule ist im Besitz des Landes. (ms)

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