ORF-Radios drohen Einsparungen von knapp 7 Mio. Euro

Sollte die Gebührenrefundierung nicht verlängert werden, muss laut Radiodirektor Karl Amon im öffentlichen Rundfunk massiv eingespart werden.

ORF-Radiodirektor Karl Amon.
© APA

Wien - Das ORF-Radio befindet sich mit seinen Sparmaßnahmen im Plan. Dies berichtete Radiodirektor Karl Amon im APA-Interview. „Sollte die Gebührenrefundierung nicht verlängert werden, sind im worst case 6,7 Millionen an Einsparungen erforderlich. Die 6,7 Millionen gelten für alle meine Bereiche zusammen, also für das Radio Symphonie Orchester, das RadioKulturhaus, FM4, Ö1 und Ö3. Diese Summe wird eingehalten. Was ich zusage, halte ich“, sagte Amon.

„Im nun dritten Spardurchgang werden im schlimmsten Fall beim Radio Symphonie Orchester eine Million und beim RadioKulturhaus eine halbe Millionen Ergebnisverbesserung notwendig. Das können Einsparungen sein oder auch Ertragserhöhungen durch Sponsoren.“ Beide Institutionen blieben dem Publikum jedenfalls erhalten, eine Schließung sei kein Thema mehr, versicherte der Radiodirektor.

Vorerst keine weiteren Kürzungen bei Ö1

Keine weiteren Kürzungen gebe es vorerst beim Kulturradio Ö1. Amon: „Ö1 hat gespart, was zu sparen war und ist von weiteren Maßnahmen ausgenommen.“ Bei Ö1 sei das Jahresbudget bereits um rund zehn Prozent verringert worden. Das sei möglich gewesen, weil Ö1-Chefin Bettina Roither „sehr gekonnt und weitsichtig Programminnovationen so gesetzt hat, dass wir billiger als ursprünglich geplant produzieren konnten“. So kostet etwa die im Haus eigenproduzierte Sonntagsvormittagssendung „Café Sonntag“ wesentlich weniger als die Vorgängerreihe.

An neuen Programmvorhaben bestätigte Amon den Start eines Medienmagazins auf Ö1. „Barbara Kaufmann hat einen sehr guten Piloten gemacht, und ich habe Chefredakteur Hannes Aigelsreiter beauftragt, im nächsten Schema einen Sendeplatz vorzuschlagen. Also: Es kommt. Sollte der neue Sendeplatz genehmigungspflichtig sein, ist die Zustimmung des Stiftungsrates selbstverständlich die Voraussetzung dafür“, so Amon.

„Brauchen neue Spielregeln“

Der Radiodirektor hält ein solches Medienmagazin im ORF deshalb für wichtig, weil die Kommunikation durch das Internet beinahe schlagartig „grenzenlos“ geworden sei. „Wir brauchen also neue Spielregeln für das gesamte Rechtewesen, sowohl im literarischen als auch im musikalischen und filmischen Bereich, und das trimedial. Datenschutz, unkontrollierte Verbreitung von Gerüchten und Geschichten und die möglichen Auswirkungen auf demokratische Prozesse und die gesamte Medienwelt sind aufmerksam zu beobachten. Die sich daraus ergebenden Fragen sind zu beantworten. Dazu soll das Radio-Medienmagazin einen Beitrag liefern.“

Zufrieden zeigt sich Amon unterdessen mit der Entwicklung der Radio-Innenpolitik nach den Turbulenzen Ende vergangenen Jahres. Der Radiodirektor hatte damals Edgar Weinzettl gegen den massiven Widerstand der Redaktion zum Innenpolitik-Chef gemacht. Die Medienbehörde KommAustria hat erst diese Woche mehrere Beschwerden gegen die Bestellung abgewiesen. Für Amon ist die Sache aber ohnehin längst vom Tisch. „Edgar Weinzettl konnte durch seinen guten Führungsstil und seinen exzellenten Journalismus die Wogen sehr schnell glätten. Es spricht für Weinzettl, das professionelle Radio-Team und für seinen Chefredakteur Hannes Aigelsreiter, dass diese Aufregung auch ohne Entscheid der KommAustria schnell vorüber war.“

Journale-Moderations-Neuzugang Cornelia Vospernik soll übrigens im Funkhaus bleiben. Im Sommer war bei ihrem Wechsel aus dem Fernsehen ins Radio offiziell noch von einem Provisorium die Rede. Amon: „Ja, Cornelia Vospernik bleibt beim Radio. Sie ist einer von mehreren erfreulichen Neuzugängen und inzwischen fester Bestandteil von Ö1.“

Eigenlob bei Wahlberichterstattung

„Sehr gut gefallen“ hat Amon die Wahl-Berichterstattung in Radio und Fernsehen. „Die umfassende Berichterstattung des ORF hat aus meiner Sicht dazu beigetragen, dass die Wahlbeteiligung viel weniger stark gesunken ist als in anderen Ländern“, erklärte Amon.

Dass die Regierungsspitzen wegen der vielen Oppositionsauftritte verstimmt sein sollen, ist für den Radiodirektor nicht nachvollziehbar. „Es steht ja auch im ORF-Gesetz, dass der ORF darauf zu achten hat, sein Publikum unter anderem umfassend über alle wichtigen politischen Fragen zu informieren. Das nehmen wir sehr ernst.“ (APA)


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