Körper oder Köpfchen

Ehrlich: Wer kann sich alle Passwörter und Codes ohne Probleme merken? Wohl niemand. So sammelt der Fingerabdruck als Türöffner Anhänger. Datenschutzexperte Zeger erteilt diesem eine Abfuhr und gibt Tipps.

Von Miriam Sulaiman

Innsbruck –Lang, kompliziert und am besten noch regelmäßig aktualisiert – so schaut das perfekte Kennwort auf Empfehlung des Bundeskriminalamts aus. Zudem sollte der gleiche Code nicht für mehrere Dienste verwendet werden. Dass damit so mancher verzweifelt, verwundert nicht: Passwörter am Computer, Passwörter für Mail- Accounts, Passwörter für soziale Netzwerke. Codes für das Handy, den Bankomat, das Online-Banking und nicht zu vergessen: das gute alte Fahrradschloss.

In diesem Sinne erhält der Fingerabdruck immer mehr Anhänger, kürzlich brach auch etwa ein Kolumnist der Süddeutschen Zeitung eine Lanze für diesen. Dem iPhone soll in den nächsten Tagen ein weiteres Smartphone folgen, welches den Fingerabdruck als Sperre anbietet. Und auch für Kreditkarten gibt es ähnliche Gerüchte.

Datenschützer Hans Zeger will den Fingerabdruck zwar nicht verteufeln, hält aber fest: „Es gibt kein zuverlässiges Verfahren, das das Passwort ersetzt.“ So sei dieses System als Schlüssel doppelt fehlerbehaftet. Entweder weil andere Personen genauso akzeptiert werden oder weil die richtige Person nicht erkannt werde. Stichwort: aufgedunsene Finger, Verletzung etc. Als Einsatzgebiet ortet Zeger Hochsicherheitsanwendungen, beispielsweise den Zugang zu Chemielabors. Dort erfolgt der Eintritt mit dem Namen, dem Passwort und einem biometrischen Kennzeichen wie dem Fingerabdruck. Hier stelle die Kombination mehrerer Verfahren die Sicherheit her.

Dass der Hype um den Fingerabdruck läuft, verwundert den Datenschützer übrigens nicht: „Der Branche der Biometrischen Industrie geht es nicht gut. Sie versucht einen neuen Kundenkreis zu erschließen.“

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Wer dafür dem Problem der Passwörterflut Herr werden möchte, kann sich Zegers Tipps zu Herzen nehmen:

1Gestaltung: Merken Sie sich einen Satz, von dem Sie die Anfangsbuchstaben heranziehen. Zum Beispiel: Meine Tochter wird 5, das wird gefeiert = „MTw5,dwg“ Phrasen sind hier auch nützlich sowie Zahlenkombinationen, die einem gefallen. Sechs bis acht Stellen sind sinnvoll.

2Gruppierung: Erstellen Sie ein System von Gruppen. Etwa Bank-Accounts, E-Mail-Konten und soziale Netzwerke. Für den Bankbereich ist das komplizierteste Passwort zu verwenden, für alle weiteren können einfachere herangezogen werden. Jeweils in den Gruppen verwendet man am besten das gleiche.

3Geheimhaltung: Es macht Sinn, Passwörter aufzuschreiben, aber nicht im PC, sondern auf einem Zettel. PC-Verschlüsselungsprogramme machen natürlich auch Sinn, wenn man sich mit der Technik spielen will.

Das Ausspionieren von Passwörtern sollte man jedoch nicht überschätzen, meint Zeger. Meist passiere etwas durch Nachlässigkeit. Und bei einem wirklichen Hackerangriff? Da hilft der beste Code nichts.


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