Berlusconi befürchtet: „Ich werde wie Timoschenko enden“

Nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs hat der Ex-Regierungschef Sozialdienst beantragt. Berlusconi fürchtet, ihm könnten in anderen Prozessen nun auch Haftstrafen drohen.

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi wurde rechtskräftig verurteilt.
© Reuters/ALESSANDRO BIANCHI

Rom – Italiens ehemaliger Regierungschef Silvio Berlusconi hat nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs Antrag auf Sozialdienst eingereicht, befürchtet jedoch eine Zukunft wie jene der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. „Man will, dass ich im Gefängnis ende wie Timoschenko“, klagte Berlusconi im Gespräch mit seinen Parlamentariern. Der 77-Jährige befürchtet, dass er nach dem drohenden Ausschluss aus dem Parlament zu weiteren Haftstrafen im Rahmen der Prozesse verurteilt werden könnte, die noch gegen ihn laufen.

Berlusconi hat am Freitag bei der Mailänder Justiz einen Antrag auf Sozialdienst gestellt. Seine vierjährige Haftstrafe wurde wegen einer Amnestieregelung automatisch auf ein Jahr verkürzt. Wegen seines Alters muss er diese Strafe nicht im Gefängnis verbüßen. Mit dem Antrag muss sich nun die Justiz in Mailand befassen. Sie muss dann entscheiden, in welcher Einrichtung er seinen Sozialdienst verrichten soll. Berlusconi will ihn in Rom ableisten und hat deshalb seinen Wohnsitz in die Hauptstadt verlegt. Bis die endgültige Entscheidung fällt, können jedoch noch einige Monate vergehen.

Berlusconi, Gründer der Mitte-rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL), fürchtet sich angeblich vor den kommenden Monaten: „Man will einen Staatsmann wie mich zwingen, Toiletten zu putzen“, wurde Berlusconi von italienischen Medien zitiert. Medienberichten zufolge gilt als wahrscheinlich, dass er eine Tätigkeit in einem Hilfszentrum für ehemalige Drogenabhängige in Rom annimmt. Dort hatte schon sein wegen Korruption verurteilter früherer Verteidigungsminister, Cesare Previti, Sozialdienst geleistet.

Berlusconi droht derzeit auch der Verlust seines Sitzes im Senat. Ein Ausschuss der Kammer hat bereits dafür gestimmt, ihm das Mandat zu entziehen. Die endgültige Entscheidung dürfte das Senatsplenum bis Ende des Monats treffen. Gegen Berlusconi sind noch weitere Verfahren anhängig, darunter eines wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin. (APA)


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