Erster öffentlicher Auftritt von Edward Snowden in Moskau

Der geflüchtete US-Geheimdienstenthüller hat in Moskau einen Preis entgegengenommen und erstmals nach seinem Flughafen-Aufenthalt öffentlich über Staatsspionage gesprochen: „eine Art riesiges Netz, das ganze Bevölkerungen unter Überwachung stellt“.

Edward Snowden hat Tausende geheime Unterlagen über die Ausspähprogramme des US-Geheimdienstes NSA veröffentlicht. Weltweit hat er viele Sympathisanten, verändert hat sich in einem Jahr aber wenig.
© REUTERS/Ueslei Marcelino

Washington/Moskau - Vier ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter haben dem US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden am Donnerstag in Moskau einen Preis verliehen. Zu diesem Anlass ging der Amerikaner an die Öffentlichkeit und warnte vor Staatsspionage.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat ein Video der Preisverleihung veröffentlicht. Nach eigenen Angaben soll es das erste Video mit dem US-Geheimdienstenthüller, seit dieser Unterschlupf in Russland gefunden hat, sein. In der kurzen Aufnahme, die in der Nacht zu Samstag verbreitet wurde, vergleicht Snowden Staatsspionage mit „eine Art riesiges Netz, das ganze Bevölkerungen unter Überwachung stellt“.

Auf der ganzen Welt werde den Menschen inzwischen klar, dass Geheimdienstprogramme „uns nicht mehr Sicherheit geben, sie schwächen unsere Wirtschaft, unsere Länder, sie beschränken unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben und kreativ zu sein, Beziehungen zu haben (...)“, sagt Snowden in dem Video weiter.

Snowden hatte im Juni damit begonnen, den Zeitungen „Washington Post“ und „Guardian“ Informationen über umfangreiche Überwachungsprogramme zuzuspielen, mit denen die NSA und andere Geheimdienste massenhaft Telefonate und E-Mails überwachen. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht.

Der Informatiker hatte sich zunächst nach Hongkong abgesetzt und war dann mit einem ungültigen Reisepass nach Moskau geflogen. Dort saß er wochenlang im Transitbereich eines Flughafens fest, bevor ihm Russlands Regierung im August für ein Jahr Asyl gewährte. (APA/AFP)


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